Gedanken

WMF – Risiko gehört zum Leben dazu

Heute möchte ich mal wieder am Webmaster-Friday teilnehmen, da mich das Thema sehr anspricht. Genauer gesagt, spiele ich schon seit einiger Zeit selbst mit dem Gedanken einen Beitrag hierzu zu schreiben. Grob gesagt geht es um Risiken, denen unsere Kinder ausgesetzt sind. Auslöser war ein Riesentrampolin ohne Netzumrandung. Ist das nicht zu gefährlich? Die Meinungen gingen weit auseinander, doch ich selbst sehe das ganze Thema viel differenzierter.

Meine Kindheit

Wer den Film „Wer früher stirbt ist länger tot“ kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie ich aufgewachsen bin. Für alle, die den Film nicht kennen: Es war in den späten 70ern, Anfang der 80er. In Bayern in ländlicher Umgebung. Es gab Bauernhöfe, eine recht befahrene Straße durch das Dorf und später bin ich in die Stadt gezogen. Dort gab es direkt daneben die Mangfall, die später im Inn mündet.

Um von A nach B zu kommen war das Fahrrad oder unsere eigenen Füße die einzige Wahl. Später als Mutter habe ich mich oft gewundert, was die Schulbusfahrer (in der Stadt bin ich Bus gefahren, auf dem Land nicht) oft für eine Engelsgeduld hatten. Wir haben uns natürlich nie festgehalten und es war lustig in den Kurven das Gleichgewicht zu halten. Radfahren natürlich ohne Sturzhelm, Baden im Fluss ganz normal. Wir waren viel draußen, unsere Eltern wussten oft nicht wo. Traktor sind wir immer mitgefahren, vorzugsweise auf dem Anhänger. Ich am liebsten dann, wenn Gras geerntet wurde, und man immer höher hinaus kam, wenn der Anhänger voller war. Im Kuhstall sind wir durch das Heu getobt und dann auf die runter geworfenen Heuballen gesprungen.

Wir wurden nie zur Schule gefahren, sind mit „fremden“ Hunden Gassi gegangen, auch wenn sie fast genauso groß waren wie wir. Blaue Flecke und aufgeschürfte Knie gehörten zu meiner Kindheit wirklich dazu.

Fahrlässigkeit heute

Doch wir waren gleichzeitig weniger Gefahren ausgesetzt, zumindest kommt mir das heute so vor. Immerhin bin ich ja auch Mutter und es war damals schon noch leichter und schöner. Vielleicht war es aber auch einfacher für uns die Gefahren einzuschätzen. Oder als Mutter habe ich mich auch geändert? Ich weiß es nicht. Dennoch finde ich es oft verantwortungslos, wie sorglos manche Eltern mit ihren Kindern umgehen. Da sieht man einen etwa 3 jährigen auf einer Brüstung knien, von der es etwa 5 Meter runter auf den harten Boden geht. Die Mutter hält das Kind nicht fest. Oder ein zweijähriger darf in einem Freizeitpark auf die Trampoline, die hauptsächlich von etwa 10jährigen genutzt werden. Dass dieser die weder die Koordination noch Geschicklichkeit hat, den wilden und größeren Kids auszuweichen ist auch klar. Das Ergebnis war ein gebrochenes Bein. Oder wenn wie wild Laufrad gefahren wird. Ohne Helm, ein Wettrennen. Hier passierte natürlich auch was: mit dem Kopf auf einen steinernen Blumentrog. Zum Glück ist nichts weiter passiert.

Auch wenn ich in meiner Kindheit keinen Fahrradhelm hatte – so finde ich diesen doch sehr wichtig. Noch fahre ich selbst ohne, aber überlege doch sehr mir einen anzuschaffen. Meinen Kindern hingegen habe ich diesen von Klein auf angezogen, denn dieser Schutz ist absolut sinnvoll, genauso auch wie anschnallen im Auto. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da war das nicht nötig….

Doch auch wenn ich Eltern sehe, die recht locker mit der Gesundheit ihrer Kinder umgehen (von der Ernährung reden wir noch nicht mal), so gibt es leider auch genau das Gegenteil

Überfürsorglichkeit

Zuletzt habe ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Da saßen zwei etwa 5 jährige Kinder auf einem Schlitten. Es war weicher Schnee, der Hügel war für einen Bayer nicht erwähnenswert und sogar im Norden geht er nicht ansatzweise als Berg durch. Doch hatten die Kids einen Helm auf. Beim Skifahren ja, bei steilen Bergen – meinetwegen, im Eiskanal unbedingt. Aber da?????? Absolut übertrieben und mit Mütze und Co frage ich mich nach einem guten Sitz des Helmes.  Ich bin hier vielleicht auch recht locker, denn mein Jüngster ist ja alles andere als bedacht und ruhig. So konnte er noch nie eine Treppe normal gehen. In einem gewissen Alter ist er grundsätzlich jede Treppe gesprungen. Wie hätte ich einen 11jährigen davon abhalten können? Natürlich hat er sich mal dabei einen kleinen Finger gebrochen, doch das gehört dazu und der Finger wurde halt für ein paar Tage getapet. Hat ihn nicht weiter gestört. Auf Bäume sind sie auch geklettert – war ganz normal – wie soll man sonst an die guten Sachen rankommen. Auch heute noch nutzen sie den Weg zu den besten Früchten.

Dennoch musste bereits bei meinen Kindern schnell lernen, genau zu differenzieren. Konnte ich meinen Großen bereits als Baby unbesorgt nahe einer Treppe spielen lassen (er ist nie runter gefallen, oder auch nur in die Nähe gekommen), so musste ich beim Jüngeren schon immer aufpassen. Trotz Treppengitter und allen möglichen weiteren Schutzmaßnahmen, musste ich hier viel mehr schauen. Das war dann auch auf dem Schulweg so. Durch das ADHS war er nicht unbedingt wirklich sicher im Straßenverkehr. Die Ablenkung war einfach viel zu groß. Ihn habe ich begleitet – seinen Bruder nie. Das war dort auch nicht nötig.

Fazit

Es kommt darauf an. Einmal auf das Kind, wir risikobewusst ist es. Aber auch auf das Alter. Zweijährige haben nichts auf den großen Trampolins im Freizeitpark zu suchen, wenn gleichzeitig ältere Kinder dort unterwegs sind. Aber den Spaß einem 12jährigen zu verbieten? Aber wir können unsere Kinder auch nicht vor allen Gefahren schützen. Ich finde es z.B. absolut unmöglich, dass Eltern ihre Kinder immer zur Schule fahren und dort ggfs. sogar andere Kinder gefährden. Wenn man schon fahren muss, doch dann bis zur nächstmöglichen ungefährlichen Stelle oder bis zu einem öffentlichen Parkplatz und dann die restlichen Meter zu Fuß gehen. Wie sollen sie sonst jemals selbständig im Straßenverkehr teilnehmen?

Auch möchte ich mal folgende Frage in den Raum stellen. Wenn wir unsere Kinder vor allen Gefahren behüten und sie nicht lernen dürfen Risiken einzuschätzen und damit umzugehen. Ist es dann nicht so, dass uns das Problem spätestens dann einholt, wenn sie Teenager sind? Sind sie dann nicht zu risikofreudig, weil sie die Gefahren von Drogen, Mutproben etc. nicht erkennen? Sind sie dann nicht vielleicht auch zu vertrauensselig?

Ich glaube schon und ich bin mir sicher, dass wir mit zu viel Schutz den Kindern keinen Gefallen tun. Aber wir Eltern sind verpflichtet sie den Umgang mit den Risiken zu lernen. Das heißt vor vermeidbaren Risiken zu schützen, aber sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Eine Gradwanderung, wie so oft im Leben, und pauschal zu sagen das ist gut oder nicht – kann man meistens nicht.

Ach ja zum Trampolin mit oder ohne Netz – bei meinen Kindern würde ich kein Netz mehr hintun. Die Frage ist halt auch, wenn Nachbarskinder mithupfen und es würde dann was passieren – was ist dann? Werde ich dann haftbar gemacht?

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3 Gedanken zu „WMF – Risiko gehört zum Leben dazu

  1. Naja. Ich habe auch einen behüteten Erstling und einen wilden zweiten Sohn (die zweiten sind von Haus aus wilder, glaube ich) Aber in der Pubertät sind sie sich in nichts nachgestanden. Beide haben Blödsinn gemacht, nur hat sich der Ältere nicht so oft erwischen lassen ;-)
    Ansonsten ist diese Überbehütung bei manchen Müttern schon ein wenig krankhaft. Man will halt alles, alles, alles richtig machen. Andererseits kann ich sie manchmal verstehen, denn die Gemeinschaft der Mütter (in einer Schulklasse oder Kindergartengruppe) ist schon manchmal gnadenlos.
    LG
    Sabienes

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