Kinder

Ab wann sind Kinder verwöhnt?

Diese Frage habe ich zuletzt mit meiner Freundin diskutiert. Dazu muss man vielleicht auch gleich wissen, dass sie Einblick in sehr viele Familien hat, da in ihrem Bekanntenkreis eben sehr viele Familien und somit Kinder sind.

Sie ist der Meinung, dass unsere Kinder nicht verwöhnt wären. Okay, sie haben nicht alles, wie etwa ein Wii oder Playstation. Doch immerhin einen Nintendo DS. Beide. Auch mittlerweile einen Fernseher im Zimmer – was ich sicher nicht hatte.

Auch ansonsten geht es ihnen glaube ich wirklich nicht schlecht. Urlaub, Markenkleidung (wenn auch gebraucht), wie gesagt ein Fernseher, normales Spielzeug, Spiele, Fahrrad (und zwar ein gutes) Skateboards und und und. Also eigentlich alles, was ein Kind in dem Alter so braucht und ich höre eigentlich auch keine Beschwerden, seitens meiner Söhne. Klar hätten sie gerne eine Playstation und so, doch mit dem Hinweis wann sie denn eigentlich damit spielen wollen, ist die Diskussion meist vorbei. Denn sie sind mit Nintendo, Büchern, Schule, Rausgehen, Fernsehen, Spielen und so auch so schon gut ausgelastet und Chillen muss ein Teenager zwischendurch auch mal.

Ich finde zwar, dass meine Kinder nicht besonders verwöhnt sind, aber ein klein wenig doch.

Ab hier widerspricht mir meine Freundin vehement. Sie sagt, (gottseidank) sind unsere Kinder überhaupt nicht verwöhnt und sie kennt noch ganz andere Fälle.

Hm, wenn ich so darüber nachdenke, es gibt schon ganz andere Fälle. Da wird den Kindern wirklich alles und ich meine alles hinterhergeworfen. Meist habe ich dann auch den leisen Verdacht, dass hier anscheinend ein schlechtes Gewissen bekämpft wird. Wohlgemerkt nicht immer, aber doch oft genug. Da haben die Kinder nicht nur eine Playstation, sondern zusätzlich noch eine Wii und einen Nintendo. Da ist ein ganzes Regal voller Computerspiele und neben einem Skateboard noch ein Waveboard (beide nicht genutzt). Die Kinder dürfen vor dem Abendessen ein Eis schlecken und brauchen nicht mit der Familie zusammen essen und und und.

Dann wundern sich manche Eltern, warum ihr Kind schlecht in der Schule ist und langsam dick wird.

Hmmmm, woran das wohl liegen mag

Nein ich bin weiterhin der Meinung, dass unsere Kinder ein klein wenig verwöhnt sind, denn uns ging es nicht so gut. Doch wir versuchen sie nicht im Übermaß zu verwöhnen. Dafür gibt es bei uns andere Dinge reichlich: Bücher, Freiheit rauszugehen, Kuscheleinheiten und die Möglichkeit Verantwortung und vernünftiges Handeln zu lernen. Denn meine Kinder dürfen bei uns sehr viel mitentscheiden. So ist der Urlaubswunsch in einer Familiensitzung entstanden, die Veränderungen in der Wohnung werden zusammen beschlossen und auch beim Essen herrscht Mitbestimmungsrecht. Ist das so nicht besser?

7 Kommentare

  • Susanne

    Hallo Mella,
    ich finde, man kann Kinder im positiven wie auch im negativen Sinn verwöhnen. Das „ein klein wenig verwöhnt“ sehe ich positiv, denn klar, den Kindern geht es heute besser als uns früher, aber die Zeiten haben sich halt auch grundlegend geändert. Wenn man seine Kinder mit Aufmerksamkeit, Zuneigung, Zuhören etc. verwöhnt, sehe ich das positiv, auch wenn man ihnen den einen oder anderen Herzenswunsch erfüllt. Kritisch wird es, wie du schon schreibst, wenn das alles ohne Maß und Ziel abläuft, wenn die Kinds so überschüttet und überfüttert werden, dass sie eine liebevolle Geste oder eine Kleinigkeit nicht mehr zu schätzen wissen. Da bin ich, wie du, auch der Meinung, dass häufig ein schlechtes Gewissen oder auch einfach nur Bequemlichkeit der Eltern dahinter steckt.
    Und diese „überfütterten“ Kinder sind dann auch einfach überfordert. Mit „Verwöhnen“ im Sinn von „jemandem etwas Gutes tun“ hat das dann eigentlich gar nichts mehr zu tun, diese Kids können einem nur leid tun.
    Liebe Grüße
    Susanne

    • Mella

      Ja, schrecklich, wenn man ihnen einen Riegel Schokolade anbietet und sie dann gleich die ganze Tafel fordern. Auch in diesem Bereich muss es nicht so sein 😉

  • Iris

    Ich schließe mich Susanne an und würde dabei noch einmal grundsätzlich in materielles und nichtmaterielles Verwöphnen unterscheiden. Materiell finde ich, dass man dann verwöhnt, wenn man die Kinder überhäuft, ihnen sofort jeden Wunsch erfüllt, sie nicht auch mal zum Warten, sich erarbeiten usw. anleitet. Einen Vergleich zur eigenen Kindheit zu ziehen finde ich aber falsch. Zeiten und Möglichkeiten sind heute anders und man sollte das Maß des Verwöhnens nicht an der eigenen Kindheit anlegen, sondern lieber gucken, wie es heute rechts und links aussieht.

    Natürlich ist es nicht gut, einem Kind alles Materielle sofort zu erfüllen, denn so geht die Verhätlnismäßigkeit verloren. Eigentlich finde ich aber nichtmaterielles Verwöhnen viel schlimmer. Es ist doch leicht, auf etwas zu verzichten, wenn z.B. eben mal kein Geld dafür da ist. Viel schwerer und unbequemer kann das Verzichten auf nicht materielles Sachen sein. Damit meine ich nicht die von Mella genannten Dinge wie Zuwendung und Anregung (davon kann man gar nicht genug verteilen) . Ich denke eher an negatives Verwöhnen, dass man dem Kind z.B. alles erlaubt, keine Grenzen setzt, ihm keine Pflichten abverlangt. Das ist viel schlimmer als ein Zimmer voller Computerspiele, denn es verleitet zu Respektlosigkeit und allgemein sozail unverträglichem Verhalten, das sich nur allzu oft im Endeffekt gegen die Eltern selbst richtet.

    • Mella

      Oh Iris, da sagst Du was. Alles durchgehen zu lassen, auch um selbst endlich Ruhe zu haben ist total schrecklich. Erziehung ist Schwerstarbeit, weil man auch oft psychisch unter sehr hohen Druck steht. Wenn man sich eben drum kümmert. Dann heißt es von Seiten der Kinder doch gleich, dass man ssooooo gemein sei….

  • Susanne K

    „verwöhnt“ beginnt da, wo „Gutes tun“ aufhört. Natürlich haben Kinder – auch die unverwöhnten – heute mehr als wir früher – es gibt ja auch viel mehr. Es gab kein Nintendo – also hatten wir auch keinen. Aber wir bekamen auch sehr viel – und das schöne war: unsere Eltern haben noch viel mit uns gemacht. (zumindest im Fall von mir und meiner Schwester) Meistens eben mit den Dingen, die wir bekamen (soweit sie sich auch dafür interessieren) – aber ich glaube nicht, dass deine Kinder unbegrenzt mit z.B. dem Nintendo spielen dürfen? – Eben! 😉

  • Iris

    Elternrolle schließt den Buhmann mit ein. Ist so. Und meine eigenen großen Kinder kommen teilweise gerade dahinter, dass so manche Einischränkung, die ihnen ihre „blöde“ Mutter damals auferlegt hat, gar nicht so verkehrt war. Das kennen wir doch alle selbst auch, nehme ich an. Man entdeckt plötzlich, dass man mit dem eigenen Kind Sachen tut, die man als Kind von seinen Eltern her unmöglich fand.

  • Susanne K

    Oh ja -Iris – was du sagst ist so wahr! – Und bei mir hat das schon lange angefangen. Ich hatte einer damaligen Schulfreundin gesagt, wenn ich jeh so werden soll wie meine Mama dann soll sie es mir sagen .- und jeh nun, kaum ausgezogen hatte sie mich besucht und ….da hatte ich schon ein paar Eigenheiten, die sie von meiner Mama kannte an mir gesehen – und da waren noch keine Kinder da

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