Heimat

Wasserburg – zeig mir Deine Stadt – Wasser

Daggi fragt in ihrer Blogparade für Juli und August dieses mal nach Wasser. Lustig, denn bei uns steckt das Wasser ja schon im Namen.

Es sind nur eigene Bilder erlaubt, daher tue ich mich etwas schwer Euch zu zeigen, warum Wasserburg zu seinem Namen kommt. Denn die Burg selbst steht ja nicht im Wasser. Es ist eher so, dass der Inn eine Schleife macht, wie ein enges U. So umschließt er die Altstadt. Unten, am U, hier am Boden, dort ist eine Brücke. Es war schon immer eine der wenigen Brücken über den Fluss, was vor allem im Mittelalter viel Geld gebracht hat. Denn ein einfacher Umweg von etwa 30 km einfach war nicht so leicht zu bewerkstelligen.

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Oben am U, also an der Öffnung, ist eine Landzufahrt nach Wasserburg. Dabei geht es recht steil runter, oder rauf. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, dann merkt man den Höhenunterschied meist darin, dass man etwa 1 bis 1,5 km kräftig bergauf schiebt. Die wenigsten von uns würden es fahren. Glaubt mir, sogar mein Polo hatte Probleme, bei der Steigung einen Mofa-Fahrer zu überholen.

auf dem Bild seht ihr den Fluss, wie er von Rosenheim aus, nach Wasserburg kommt.

Brunnen haben wir auch diverse in der Stadt, aber ich finde sie nicht so besonders hübsch, daher spare ich mir diese, obwohl es doch einige sind. Immerhin haben wir auch einen Trinkwasserbrunnen, bei dem man einen Schluck nehmen kann.

Insgesamt kann man aber sagen, dass das Wasser die Stadt geprägt hat und auch heute noch prägt. Hochwasser ist immer ein Thema, auch wenn wir dieses mal verschont wurden. Die Hochwasserschutzmaßnahmen haben wohl ganz gut gegriffen.

Nach dem Hochwasser in 2005, als die Altstadt mal wieder vom Inn bewässert wurde, wurde noch mal kräftig investiert. Vor allem, die Hochwassermauer erhöht, der Damm verbessert und gestärkt, unnütze Bäume, die den Damm lockern entfernt und Renaturierung mit Hilfe von großen Steinen, die die Fließgeschwindigkeit bremsen können eingeleitet. Zudem wurde der alte Kanal, den der Inn im Jahr 2005 nach 100 Jahren „wieder entdeckt“ hat, wieder geschlossen.

Ja, der Inn hat ein gutes Gedächtnis, er hat sich an einen alten Mühlkanal erinnert und diesen nach 100 Jahren wieder eröffnet. Dass dieser nicht mehr in Betrieb war und das Wasser darin eher störend – das war dem Inn egal. So hoch wie in 2005 stand er übrigens noch nie, sieht man an den Hochwassermarken am Brucktor recht gut. Das ist der weiße Fleck an der  Mauer neben der Brücke. Ihr seht, da ist noch reichlich Luft nach oben. War also alles schon mal schlimmer, auch wenn nicht mehr viel Platz zwischen Brücke und Inn ist. Ach ja, die Brücke ist aus dem Jahr 1927 – also recht stabil gebaut. Davor ist sie zusammengebrochen, als es im Winter mal so kalt, war, dass der Inn sogar zugefroren war. Eine Seltenheit bei einem wilden Gebirgsfluss. Als dann damals das Tauwetter eingesetzt hat, haben sich die Schollen an den Brückenpfeilern gestapelt und diese irgendwann mit sich gerissen. Seit dem haben wir Eisfänger vor der Brücke, die man jetzt aufgrund Hochwasser nicht sieht.

Hochwasser 2013

Wie hoch der Inn normal ist? ähm tja, pffff. ….

Keine Ahnung, es wechselt ständig. Im Winter ist er quietschgrün und relativ niedrig und seicht. Was für ihn halt seicht heißt, denn er ändert sein Flussbett immer noch regelmäßig und baut dort Strudel ein und dort lagert er mal was ab. Ein Schiff kann noch fahren, wenn es keinen zu großen Tiefgang hat.

Im Sommer hat er immer mehr Wasser, da kommt dann die Schneeschmelze von den Bergen. Dann ist er auch eher grüngraubraun – oder Dreckfarben. Im Frühjahr und im Herbst changieren die Farbtöne je nach Wetter zwischen blau, braun, türkis und leicht grün, das aber eher selten.

Jetzt habt ihr die Farbe aber immer noch keinen Wasserstand.

Nun ja, die Plättenfahrer konnten teilweise im Wasser bis zur Brust stehen, wenn sie die Schiffe entladen mussten, um sie über eine Untiefe bringen zu können. (übrigens, der Inn ist auch im Sommer lausig kalt)

Dann wiederum, sind sie ertrunken, weil man im Inn schwimmen können muss. Wie gesagt, eine reine Tiefe mag ich nicht angeben. Aktuell steht er bei 2,62 Meter. Die Meldestufe 1 beginnt bei 4,20 Meter und bis dahin ist alles okay. Zu wenig Wasser wird er nie haben, denn der Inn ist der wasserreichste Fluss in Bayern.

9 Kommentare

  • Peggy

    Wasserburg ist ja für dieses Thema ja wirklich wie geschaffen. Mir hat das schon mehr Sorgen gemacht, deswegen war ich total froh, als ich in Bad Pyrmont DEN Brunnen entdeckt habe. Hihi. Aber was ist ein Plättenfahrer??? 🙂

    • Melanie

      Die Plätte ist ein Teil des Treidelzuges. Der Inn hat ja eine gewisse Strömung (ganz schön schnell, wenn Du mich fragst) und viele Untiefen.
      Es gab daher immer einen Schiffszug, der aus mehreren miteinander verbundenen Schiffen bestand. Beiboote, Plätten (flache Lastkähne) und einem Hauptboot und und und. Es mussten Inn-Abwärts auch Pferde mit transportiert werden. Wenn ich mich richtig erinnere, konnte die Strecke Wasserburg – Schwarzes Meer etwa in einer Woche Inn-Abwärts über die Donau bewältigt werden. Zurück mussten dann die Pferde die voll beladenen Schiffe den Inn hinauf ziehen. – Treidelzug. War ein Knochenjob und viel langsamer. Innaufwärts reden wir von etwa 2 Monaten Rückweg.

  • Peggy

    Wieder was dazu gelernt. Ein Knochenjob war es bestimmt auch für die armen Pferde, die das Schiff wieder Inn-Aufwärts ziehen mussten. 2 Monate ist auch schon eine Hausnummer für Mensch und fürs Tier.

    • Melanie

      im Gegensatz zu den Menschen, mussten die Pferde nicht die ganze Strecke gehen, sondern wurden regelmäßig ausgetauscht

  • MestraYllana

    Oh, Wasserburg ist für dieses Thema wirklich wie geschaffen! Und ich habe mal wieder einiges gelernt – so wusste ich zum Beispiel nicht, dass der Inn schon einmal zugefroren war – das ist ja wirklich äußerst untypisch für einen Gebirgsfluss…
    Ich sollte auch mal wieder nach Schärding (oder in die Gegend) fahren und dem Inn einen Besuch abstatten – ich war nur einmal an seinen Ufern spazieren und dabei wurde eigentlich nur gestritten – das hat der Inn gar nicht verdient! 😉

    • Melanie

      Nee, der Inn hat Streit wirklich nicht verdient. Soweit ich weiß, war er wirklich bisher nur einmal zugefroren, war so besonders, dass man heute noch davon spricht. Muss cool gewesen sein – Nachbarn vom anderen Flussufer endlich mal zu Fuß besuchen zu können. 🙂

  • Daggi

    Vielen Dank für die vielen Infos, total interessant, von einem Treidelzug hatte ich beispielsweise noch nie gehört. Meine Eltern wohnen ja am Rhein und mein Vater erzählt auch manchmal von dem Winter, in der er zugefroren war. Da ist mein Opa wohl mit der Traktor über den Rhein Richtung Schweiz gefahren. Wenn ich mir das heute anschaue, fällt es mir schon schwer, mir nur vorzustellen, dass der Fluss zugefroren war.

    • Melanie

      zugefroren ist er seit dem glaube ich auch nicht mehr. Ja, das muss total cool gewesen sein, auch was Dein Großvater gemacht hat.

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