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Fingerspitzengefühl

Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich mich auch manchmal wie die Axt im Walde aufführe. Das weiß ich und deshalb habe ich auch nie einen Beruf gesucht, bei dem ich sensibel mit Menschen umgehen soll. Das liegt mir nicht und ich bin hier fehl am Platz.

Andererseits bin ich auch relativ unempfindlich, wenn jemand mal einen schlechten Tag hat.

Doch wenn man einen Beruf hat, bei dem man viel mit Menschen, speziell mit Kindern zu tun hat, sollte man eine gewisse Sensibilität haben. Gutes Beispiel:

unsere Zahnärztin.

Obwohl meine Kinder auch mal ein Löchlein haben, gehen sie gerne zum Zahnarzt. Sie streiten sogar, wer als erstes dran darf. Dies alles wurde auch durch unsere Zahnärztin ausgelöst, die schon immer ganz selbstverständlich und sensibel mit Zahnkontrolle, Zahnputzen und Bohren umging. Ich glaube nicht, dass sich nun bei beiden jeweils eine Angst vor Zahnärzten entwickeln wird.

Auch Lehrkräfte brauchen ein starkes Einfühlungsvermögen. So habe ich gestern von einer guten Schülerin gehört, die sich nicht mehr melden will. Und das nur, weil sie am Anfang immer übersehen wurde. Nun meldet sie sich gar nicht mehr. Das Ergebnis ist, dass die Eltern angemosert werden, dass das Kind im Unterricht zu wenig mitmache. Da frage ich mich, warum wohl.

Auch hatten wir gestern die Diskussion – Einzelkinder.

Ich bin selbst ein Einzelkind und ich musste erst lernen, was teilen bedeutet. Geschwisterkinder wissen das genau, denn es wird ihnen seit frühester Kindheit, Tag für Tag eingeimpft. Es geht in einer Familie mit mehreren Kindern gar nicht anders.  Ich bin hier auch der Meinung, dass man deshalb nicht alle Kinder über einen Kamm scheren kann und nicht sofort das Einzelkind ausschimpfen darf, wenn es beim Teilen einen Fehler gemacht hat.

Manchmal fehlt da oft das Fingerspitzengefühl. Andererseits bin ich vielleicht mittlerweile zu vorsichtig, wenn ich Fingerspitzengefühl brauche. Anscheinend bringe ich mein Anliegen gar nicht mehr rüber, vor lauter Angst jemanden zu verletzen. Dies ist auch nicht gut und mir wurde daraus schon mancher Strick gedreht.

Okay, das kann ich irgendwie ab, doch….

Wurmen tut es mich schon.

Ich finde gerade das Fingerspitzengefühl sollte besser geschult werden. Ich eigne mich jetzt nun nur bedingt als Vorbild, doch wo sollen es die Kinder denn nun lernen?

Eine gute Initiative hat unsere Realschule ins Leben gerufen:

Leben lernen oder auch Erwachsen werden

Hier haben die 5. Klässler eine Unterrichtsstunde bei dem es nur um das richtige Miteinander, wie man mit dem anderen umgeht und um das eigene Verhalten geht. Dabei wird nicht mit erhobenen Zeigefinger unterrichtet, sondern die Lehrkräfte sind auf einer Ebene mit der Klasse.

Interessant ist dabei auch folgendes: Es dringt aus dieser Klasse nichts heraus, was genaues weiß ich also nicht, auch sonst Niemand, nicht mal der Klassenleiter. Die Kinder gehen alle gerne in diese Stunde und natürlich gibt es darin keine Noten oder Prüfungen.

Ja, hier wird auch das Fingerspitzengefühl vermittelt. Toll. Bitte mehr davon!

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