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ADHS als Ausrede

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreibe. Denn ich weiß, ich werde mich wieder wahnsinnig aufregen und schimpfen wie ein Rohrspatz. Also wer das nicht aushält, sollte besser nicht weiter lesen:

Fernsehen beim zappen. Irgendso eine „Dokumentation“ bzw. Aufregersendung wie Hart aber fair oder Frontal 21 oder so. Ich weiß es nicht mehr genau.

Beitrag (ich habe nur mit halben Ohr zugehört) : Eine Frau konnte nicht zum Arzt gehen. Sie hat den Termin nicht geschafft, (verschlampt wäre wohl richtiger) weil sie ADS hat. Daher konnte sie den Termin nicht wahrnehmen. Das ist auch der Grund, warum sie nun Arbeitsunfähig sei. Und die böse Krankenkasse zahlt nun nicht

BOAAAHHHH ich bin da so die Wände hoch gegangen?

Was soll das bitte für eine Begründung sein? Ich habe ADS und kann nicht zum Arzt gehen? ECHHHT Muss nun mein Kind nicht mehr in die Schule, weil er ADHS hat?

Und wie bitte kann man plötzlich Arbeitsunfähig wegen ADS werden? Sorry, da platzt mir echt die Hutschnur. ADHS oder ADS in diesem Fall ist keine Krankheit, die man von heute auf morgen bekommt. Manche Berufe sind für diesen Personenkreis von Haus aus nicht sonderlich geeignet, aber das weiß man doch schon lange vorher.

Und überhaupt. Warum ADHS als Ausrede, weil man einen Arzt-Termin versäumt. Das ist doch wohl das dümmste und blödeste was ich je gehört habe 

Vor allem ärgert mich das, dass dies im Fernsehen einem Millionen-Publikum vorgespielt wird. Ein Bericht, der den wirklich Betroffenen keinerlei Hilfe ist. Der Vorurteile schürt und Anheizt, der Schubladendenken fördert und der vielen das Leben schwer macht, die zwar betroffen sind, sich aber wirklich bemühen. Ja, manchmal sind es kleine Chaoten, aber sie stehen oft genug für ihre Fehler ein. Sie bemühen sich und geben oft mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr, als so mancher Gesunde. Doch so…..

Außerdem ist einiges falsch und verdreht. 

Ich kann das nicht nachvollziehen oder akzeptieren und daher schreibe ich jetzt auch diesen Beitrag. Denn obwohl die Ausstrahlung schon länger her ist, werde ich immer noch sauer und es rumort in mir wirklich drin, dass so etwas gefördert wird. Daher erhebe ich jetzt meine Gegenstimme:

ADHS IST KEINE AUSREDE

weder um zum Arzt zu gehen, oder um nicht zu Arbeiten. ADHS ist eine Krankheit, die seit der Kindheit besteht, und erwachsene Menschen sollten in der Zwischenzeit gelernt haben, damit umzugehen. Dieser Weg ist hart und steinig (als Mutter kann ich davon ein Lied singen) ABER er ist möglich!

    

EDIT

Wie mich Sylvia zurecht hingewiesen hat. Mangelnde Selbstorganisation ist ein Zeichen der Krankheit ADHS. Das diese Leute gerne mal Termine verschwitzen, vergessen etwas zu erledigen und co. ist normal.

Was mich aber daher erst recht ärgert – denn in diesem Bericht wurde nie darauf eingegangen, dass dieses Phänomen zur Krankheit gehört.

ACH JA

meine Freundin arbeitet in einer Krankenkasse. Ich habe mir ihr auch über diesen Bericht und das Thema allgemein gesprochen. Die Krankenkassen sind keine Unmenschen und wenn jemand sich freundlich entschuldigt oder dann ganz schnell nachbringt oder so. Dann kann man in der Regel mit dem Sachbearbeiter reden. Der hat oft genug Verständnis. Das ist jetzt kein Freifahrtschein und wenn es einfach übertrieben wird oder frech verlangt wird – auch dort arbeiten Menschen und wer angegangen wird, arbeitet nach Vorschrift. Ist auch klar, oder?

40 Kommentare

  • Mel

    Hi Mella,

    Ich finde den Bericht sehr gut. Allerdings am besten sind die Smilies da drin *kicher*

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hatte damals als Kind das Problem, dass ich Sozialhilfe bekommen habe und dadurch gleich abgestempelt wurde. So ähnlich verhält es sich wahrscheinlich mit ADHS. Alles über einen Kamm scheren und schlimmer noch die Betroffenen, die denken, ach man kann ja eh nichts machen! Echt traurig. Ich freue mich sehr, dein Buch bald zu lesen. 🙂

    Lg Mel

    • Melanie

      Die Smilies mussten sein, nicht dass ich wirklich was krasses schreibe.
      Ich glaube auch, dass wenn sehr wenig Geld vorhanden ist, Kinder oft darunter leiden und sie oft mit Vorurteilen zu kämpfen haben.
      Auch wird HartzIV manchmal ja auch als Ausrede propagandiert und das ist genauso falsch und irreführend wie in diesem Fall.

      • Mel

        Deshalb hatte ich das erwähnt. Ich finde es einfach nur Frech solche Sachen zu Behaupten. Wenn man es nicht alleine bewerkstelligen kann, muss man sich halt Hilfe holen. Alles nur ausreden.

        Die Smilies fand ich aber sehr ermuntern. 😉

        • Melanie

          ja, eben. Vor allem, nach einer gewissen Zeit sollte man gelernt haben, damit umzugehen und es gibt ja immer die Möglichkeit mal zuzugeben, dass man Mist gebaut hat und sich zu entschuldigen. Nein, stattdessen wird die Schuld woanders gesucht.

  • Ramona :)

    Hi,
    in letzter Zeit ist ADHS oder ADS eh an allein bei Betroffenen schuld. Sowas finde ich nicht richtig. Noch finde ich es nicht richtig wie mit Betroffenen, meist Kindern, umgegangen wird. Ich habe einen noch nicht komplett diagnostizierten Fall in der Verwandtschaft. Sie wird bald 5 und ist in der Hinsicht sehr verhaltensauffällig. Das belastet alle in ihrem Umfeld.
    Aber alles entschuldigen tut die Krankheit nicht.
    lg Ramona 🙂

    • Melanie

      Betroffene seien eh immer schuld und die Eltern auch sowieso. Aber das ist genauso falsch und basiert auch auf jede Menge Vorurteilen, daher bin ich ja über so eine Berichterstattung so sauer.
      ADHS ist ein Handicap. Eindeutig. Aber schuld ist daran niemand, genauso wenig wie jemand schuldig ist, weil er Heuschnupfen hat, eine Behinderung hat oder kein Geld.

  • Iris

    Was ich mindestens genauso empörend finde wie den von dir geschilderten Bericht, ist die Unart vieler nicht betroffener Eltern, auf der ADHS-Welle mitzureiten und von der Umwelt (in diesem Fall mir als Lehrerin) zu verlangen, jegliches sporadische schlechte Benehmen, das ich sanktioniere, mit einem eventuell vorliegenden ADHS zu entschuldigen, anstatt den Kindern klarzumachen, dass sie sich immer anständig zu benehmen haben und nicht nur in selbstgewählten Ausnahmefällen. Sowas schadet nämlich den wirklich Betroffenen, die durchweg Probleme haben, auch ganz gewaltig und regt mich tierisch auf.

    • Melanie

      Oh ja, vor allem, weil ich bei vielen ADHS-Eltern beobachte, dass diese viel Wert auf Erziehung legen und das schlechte Benehmen selbst oft gar nicht tolerieren. So ist es so, dass die ADHS-Kinder oft für das einstehen müssen, was ihnen eh schwer fällt und gesunde Kinder sich auf die faule Welle tragen lassen.
      Anständiges Benehmen ist auch mit ADHS möglich, was man echt an der Schule vom Kleinen beobachten kann. Die Kinder dort sind alle sehr freundlich und höflich zueinander und auch zu den Eltern. Klar gibt es Reibereien und Streit und Streiche. Aber alles nicht schlimmer als bei gesunden Kindern, die sich zu benehmen wissen.

    • Sylvia

      Oh ja, das nervt sehr.

      Der Eindruck, dass es angeblich so viele „Fehldiagnosen“ gibt, kommt nämlich auch daher, dass zu viele Eltern das ADHS selbst „diagnostizieren“. Das schadet den Betroffenen unendlich.

      ich habe oft genug erlebt, dass Eltern auf die Frage, ob es denn überhaupt eine offizielle Diagnose gebe, sehr still wurden. Da werde ich dann gerne ziemlich deutlich 😉

      • Melanie

        WAAAAASSSSS Ach so, dass sind dann die Eltern die jammern „Mein kind ist in der Pubertät und mag keine Hausaufgaben machen. Das ist sicher ADHS und woher bekomme ich Medikamente?
        Auch schon gehört und sowas ist doch echt schrecklich

        • Mel

          Eigentlich ja schade, dass man mangelde Erziehung auf eine Krankheit schiebt. Ich glaube nicht, dass die Betroffenen es sich aussuchen würden, wenn sie könnten. Ich finde es eigentlich sehr frech. Durch solche Leute verstärkt sich ja der Eindruck, dass das alles Blödsinn ist und nur eine neumodische Krankheit. Ich bin echt geschockt.

          • Melanie

            Willkommen in der Welt von ADHS. Deshalb kämpfen wir so stark mit den Vorurteilen. Weil eben genau dieses Phänomen so gerne genutzt wird.

          • Sylvia

            Genau so ist es. Und die wirklich Betroffenen schlagen dann als fünfte Eltern in einer Woche bei der armen Lehrerin mit dem Thema auf – kein Wunder, dass die dann oft nur noch die Augen verdreht und das alles nicht mehr hören mag 🙁

        • Sylvia

          Den ersten Teil kann ich bestätigen, aber der Ruf nach Medikamenten mal eben so ist mir zum Glück noch nicht untergekommen. Ich habe hier vor Ort eher das Gegenteil – hier laufen viele gar nicht betroffene Öko-Eltern Sturm gegen „ADHS-Drogen an der Schule“ 🙁

          • Melanie

            oh ja. Medikamente sind ja so schädlich.
            ich lerne gerade, dass die Medikamente bei Kindern jeweils anders wirken. Das ist auch sehr interessant. Manche können zur Not mal ein paar Tage drauf verzichten, andere nicht.
            Medikinet macht unser Kind übrigens nicht ruhiger. Aber man hat die Chance zu ihm durchzudringen und das finde ich im Straßenverkehr doch sinnvoll, dass man ihn auf eine Gefahr hinweisen kann……

  • Miki

    Reg dich doch nicht über schlecht recherchierte, teils gefakte Sendungen auf, die uns das Verblödungs-TV vorsetzt. Die finden schon ihr Publikum und dieses ist ja lern-resistent. Traurig ist es nur für den Teil der Menschheit, der Unterhaltung aus dem Guckkasten erwartet. Ich gehöre schon länger nicht mehr dazu. Beim TV Programm müsste es inzwischen einen Beipackzettel mit den Nebenwirkungen dazu geben. (für einige in Bildern) 😀

    • Melanie

      Ich finde es halt schade, dass diese Sendungen ja behaupten sie hätten gut recherchiert und machen einen seriösen Eindruck und es glauben leider auch zu viele Leute, was ihnen vorgesetzt wurde. Die Sendung lief übrigens nicht auf RTL, wo man diese Art der Berichterstattung ja schon fast erwartet.
      Es ist halt schwierig, wenn man gegen die Vorurteile immer wieder neu ankämpfen muss, denn man kann sich nicht aussuchen, was die Umwelt im Fernsehen anschaut.

  • Sylvia

    Eins vorab – ich habe die Sendung nicht gesehen.

    Das ist mir allerdings etwas zu undifferenziert zusammengefasst.

    ADHS kann (kann, nicht muss !) so stark ausgeprägt sein, dass es als Behinderung gilt. Da reden wir dann gar nicht mehr von „zusammenreißen“, sondern tatsächlich von der Frage, wie diese Menschen, Kinder und Erwachsene, überhaupt eine Art Alltag alleine schaffen können. Ja, man kann aufgrund von ADHS und den Comorbiditäten arbeitsunfähig und sogar frühverrentet sein, diese Fälle gibt es.

    Spät entdeckte Betroffene, vor allem dann, wenn sie erst als Erwachsene diagnostiziert wurden und oft schon eine ganze „Psychokarriere“ mit stationären Aufenthalten und ein schwieriges Leben hinter sich haben, sind tatsächlich oft nicht einmal in der Lage, so etwas banales wie einen Arzttermin geregelt zu bekommen. Ich bin ja in der Selbsthilfe tätig und habe daher auch viel mit Psychologen und Co. zu tun – die bewundere ich immer für ihre Gelassenheit, wenn wieder einmal ein Erwachsener seinen Termin verbummelt hat und sie umsonst warten. Das ist nun einmal syndromtypisch und hat sich bei vielen Erwachsenen so sehr manifestiert, dass es nicht einfach abzustellen ist.

    Auch die Kinder, die ihre Dinge nicht auf die Reihe bekommen, machen das nicht mit Absicht. Sie wollen durchaus, aber sie „können nicht wollen“, wenn es darauf ankommt. Die heutige Generation an Kindern hat aber im Gegensatz zu den Ü30ern den Vorteil, oft eine adäquate Therapie zu bekommen, so dass sie als Erwachsene gute Chancen auf ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben haben.

    ADHS als reine Ausrede akzeptiere ich auch nicht, aber man sollte sehr vorsichtig sein mit Urteilen über Dritte. Wir wissen nämlich nicht, ob und wie derjenige, dem wir das als Ausrede unterstellen, an sich arbeitet.

    Die Medien stellen das alles meistens sehr verkürzt und polemisch dar. Das ärgert Betroffene natürlich sehr, und momentan ist es so schlimm mit der medialen Hetze, dass sogar die Selbsthilfeverbände immer weniger zur Zusammenarbeit bereit sind. Letzten Endes werden nämlich quer durch alle Sender und durch alle Zeitungen diejenigen, die sich bereit erklären, ihre Probleme zu schildern, durch schlechte Berichterstattung dummer Sensationsgier und fiesen Vorurteilen ausgeliefert.

    In den letzten fünfzehn Jahren sah man in den Medien sehr selten ADHS-Familien mit „spießig-normalem“ Background (also: Eltern zusammen, alle Kinder aus einer Ehe, ordentliche Wohnung, geregelte Arbeit). Die stürzen sich meistens begeistert auf die Variante „vier Kinder, drei Väter, zwei Hunde, fünf Katzen und Hartz IV – das taugt doch viel besser zum Ablästern.

    • Melanie

      Sylvia, natürlich hast Du auch recht, doch als Begründung zu sagen, ich habe den Termin verbummelt, weil ich ADHS habe, das kann ich nicht akzeptieren. Der Termin wurde nicht wegen ADHS verbummelt, sondern weil eben mangelnde Selbstorganisation vorliegt. Daran arbeiten normalerweise die Betroffenen auch, bzw. sollten daran arbeiten.
      Spät diagnostizierte sind natürlich schon arm dran, vor allem, wenn es stark ausgeprägt ist. Aber deswegen Arbeitsunfähig? Man weiß doch vorher, dass man in diversen Bereichen einfach Probleme hat und dann wählt man doch hoffentlich einen Beruf, der eher zu den Stärken und nicht zu den Problemen passt. Arbeitsunfähig, weil man eben nun immer gemobbt wird und co, okay, dass kann ich nachvollziehen – Auslöser, vielleicht das Verhalten durch ADHS. Aber nicht wegen ADHS arbeitsunfähig.

      Aber es stimmt, es wird gerne verzerrt alles dargestellt.

  • Sylvia

    Mangelnde Selbstorganisation ist ein Kernsymptom bei ADHS. Da du von einer erwachsenen Frau schreibst, können wir davon ausgehen, dass sie eben nicht, wie die heutigen Kinder, eine frühzeitige Therapie erhalten hat.

    Natürlich kann ADHS arbeitunfähig machen. Auch hier gilt, dass es meistens noch gar nicht erkannt wurde. Diese Menschen brechen überdurchschnittlich oft zwischen 40 und 50 zusammen, laufen unter depressiv und ausgebrannt, bis irgendwann dann eben doch herauskommt, dass sie als unerkannte ADHS’ler über Jahrzehnte nicht passend zu ihrer Störung gelebt haben (weil sie es eben nicht wussten), und jetzt schlicht und ergreifend am Ende sind.

    In den Gesprächskreisen für Erwachsene gibt es sehr viele solcher Fälle, und das sind keineswegs Ausreden.

    Du bist im Moment nur als junge Mutter von einem ADHS’ler im Thema, aber glaub mir, insgesamt gibt es da noch ein sehr weites Feld ;-).

    • Melanie

      Ich glaube Dir Sylvia, so weit bis 40/50 Jahren habe ich noch nicht gedacht und ich weiß, ich werde noch vieles lernen und lerne täglich dazu.
      Die junge Frau war Anfang 20.
      Okay, dann ergänze ich es so: das Kernsymptom die mangelnde Selbstorganisation wurde im Bericht mit keinem Wort erwähnt.
      Und mangelnde Selbstorganisation heißt in meinen Augen nicht, dass man sich nicht für versäumte Termine entschuldigen kann und später anrufen könnte „ups vergessen, sorry, kann ich noch kommen?“

      • Mel

        Ich dachte immer, wenn eine Krankheit diagnostisiert wurde, dann bekommt man auch Hilfe. Gibt es für Betroffene im Erwachsenenalter keinen der einen helfen kann?

        • Melanie

          Mel, noch nicht mal die Kinder bekommen die Hilfe die sie brauchen. Du musst für jede Therapie kämpfen und vieles auch selbst finanzieren. Und falls Du die Therapie bekommst, dann sind die Therapeuten oft überlaufen.
          Medikamente werden Dir hinterhergeworfen.

          Erwachsene – wieso sollten die eine Hilfe bekommen? ADHS gibt es doch nicht – sind ja immer noch genügend der Meinung.

          Leider ist Hilfe oft rar gesät und wenn Du einen Psychologen findest, der sich mit ADHS auskennt, dann ist er auf Kinder spezialisiert.

      • Sylvia

        Siehste, das ist wieder typisch für solche Berichte: es wird gelästert über den verpennten Termin, aber die Gelegenheit zur Aufklärung darüber, dass das syndromtypisch ist, elegant weggelassen.

        Ich selbst bin sehr zuverlässig mit meinen Terminen, aber es strengt mich sehr an. Deshalb bin ich tatsächlich immer sehr ungehalten, wenn ich mit ADHS’lern zu tun habe, die zu spät kommen, sich nicht melden, verschusseln und Projekte verzögern. Obwohl ich weiß, dass es keine Absicht ist, kann ich mit so manchen schweren Schusseln tatsächlich nicht auskommen. ICH bemühe mich, und DIE lächeln dann wieder charmant und sehen das Problem nicht – das bringt mich auf die Palme. Ich verstehe also durchaus, was du meinst 😉

        Es ist manchmal wirklich schwer, selbst wenn man sich gut kennt, und auch bei den eigenen Kindern, das richtige Maß zwischen Verständnis und einem nötigen Tritt in den Hintern zu finden *seufz*.

        • Melanie

          Sylvia, genau das meinte ich. Du weißt, dass Du da ein Problem hast und bist doppelt und dreifach drauf erpicht es zu schaffen.

          ADHS hin oder her, ich kenne auch noch andere gesunde Chaoten, die gerne mal einen Termin verschwitzen. Da liegt es auch an der mangelnden Selbstorganisation ohne ADHS geht es auch.
          Deshalb Tritt in den Hintern gibt es immer oder wenn es mir wichtig ist, dass es klappt erinnere ich entsprechend oder es gibt unangenehme Konsequenzen

  • Sylvia

    Mel, es sickert erst seit ungefähr zehn Jahren in das Bewusstsein, dass das ADHS mit dem 18. Geburtstag nicht einfach verschwindet. Erwachsene finden nur sehr schwer jemanden, der das diagnostizieren kann, weil die ganzen Tests auf Kinder ausgelegt sind und viel Erfahrung nötig ist, das abzugrenzen zu anderen Störungen.

    Eine Angststörung wird bei einem „normalen“ Patienten anders behandelt als bei einem ADHS’ler. Wenn man bei dem nämlich ohne diese Gesamtdiagnose eine Konfrontation macht, kann das übelst nach hinten losgehen – nur mal so als Beispiel.

    Bis vor kurzem gab es für Erwachsene noch nicht einmal die Möglichkeit, Medikamente auf Rezept zu bekommen, die mussten mühsam einen Arzt finden und dann alles selbst bezahlen. Von Therapieplätzen und adäquater Verhaltenstherapie ganz zu schweigen, da muss man Glück haben, am richtigen Ort zu wohnen 🙁

    • Melanie

      Das stimmt. Die Diagnose ist sicher bei Erwachsenen noch viel schwerer, weil die Persönlichkeit schon ausgeprägter ist und die Störungen vielfältiger sein können, als bei Kindern.

      • Mel

        OH, tut mir leid. Ich bin da wohl etwas sehr Blauäugig. Gut das ich gerade ein Buch zu diesem Thema lese.

        Ich finde es schlimm, wenn man bei einer so wichtigen Krankheit, nichts machen kann. Wahrscheinlich kann man schon mit Kleinigkeiten viel erreichen, aber die zu bekommen, ist das wohl etwas schwierig, wie mir scheint.

        • Melanie

          man kann viel machen. Im Elternhaus eine entsprechene Erziehung mit viel Hilfestellung. Etwas Rücksichtnahme und Hilfe von Seiten der Umwelt und weniger Vorurteile und solche falschen Berichte und schon wäre viel von der Problematik entschärft.
          Dazu noch gute Psychiater, die sich Zeit nehmen für eine gute Diagnose und keine Hoppladihopp-Diagnose von Eltern/Kindergarten/Nachbarn/bequemen Ärzten/Lehrern.

          Und schon könnte man vieles abschwächen und auffangen.
          Einfache und kostengünstige Mittel. Dann sind auch Kapazitäten frei, sich um die Fälle zu kümmern, die es wirklich brauchen.

          • Mel

            Bin ich froh, dass ich mit meinen Kleinigkeiten recht hatte. So ähnlich hatte ich mir das schon gedacht. Danke für die Antwort.

  • Dave

    Hallo,

    ich habe in meinem Leben auch schon ein paar ADHS Menschen kennengelernt und mich hat, nachdem ich bescheid wußte warum sie manchmal unpünktlich oder unzuverlässig waren, es nicht weiter gestört. Was mich aber gewaltig gestört hat, ist das die selbiges als Ausrede verwendet haben. So nach dem Prinzip, ich habe ADHS, ich bin nicht pünktlich, da ich krank bin, daher muss ich es auch gar nicht erst probieren pünktlich zu sein, es gar nicht erst versuchen … Man kann auch mit ADHS pünktlich sein, alles was es bedarf ist Organisationsstrukturen.

    Das die Medein sich alles mögliche Suchen um Krankenkassen, oder Jobcenter bashing zu betreiben, nun das ist nichts neues, es ist immer mal wieder was anderes dran und so lange die Leute / Zuschauer mit machen, wird es sich auch nicht ändern.

    Gruß Dave

    • Melanie

      Dave, Du hast genau das angesprochen, was ich meine. Das Bemühen zählt. Ausreden gelten nicht und wenn man was verbummelt, muss man sich zumindest entschuldigen und versuchen das nächste mal es besser zu machen.
      Hat auch was mit Achtung gegenüber dem anderen zu tun…
      Und wie Du sagst – man hat schon Verständnis, vor allem wenn man sieht, dass es der andere versucht.

  • Peggy

    Ich habe den ganzen Schriftverkehr sehr aufmerksam gelesen und find es toll etwas aus der Sicht einer erwachsenen ADHS-lerin zu hören und damit ein Bild zu bekommen, was die Kinder im späteren Leben erwartet. Um wirklich Stellung zu beziehen, bin ich als Tante eines ADHS-Kindes glaube ich nicht genug im Bilde. Allerdings hört sich die Sendung ganz danach an: Wir machen alles für die Quote und wenn es ist, das wir andere Menschen vorführen. Ich verstehe Menschen nicht, die sich für solche Dokus noch hergeben. Ganz zu schweigen, dass es dem Ruf des Krankheitsbildes, das sich gerade mal so in der Gesellschaft „etabliert“ hat, ziemlich schadet. Ob die Frau nun ADHS hat, oder nicht. Die Krankheit wurde defeninitv falsch oder unvollständig dargestellt und das es den Fernsehmachern egal ist, was sie damit anrichten, macht mich auch sehr wütend.

    • Melanie

      Sie wurde nicht wirklich vorgeführt, sondern hat es vielleicht selbst gar nicht so gemerkt. Aber ich finde es eben so richtig schrecklich und ja, das ist es was mich ärgert, denn den Fernsehmachern ist es schnurz, was sie anrichten.
      Auch so ein Thema, über das ich mich aufregen kann. Warum berwerben sich Frauenzeitungen für den NSU Prozess? Warum arbeiten die Reporter nicht mal zusammen, wenn nicht jeder einen Platz bekommt?

      • Peggy

        Weil leider nur die Quote und der eigene Erfolg zählt. Ein gutes Beispiel dafür ist doch, als ein australischer Radiosender im Krankenhaus angerufen hat in dem Kate, die Frau vom englischen Thronfolger William, gelegen hat und sich als William (oder einem anderen Mitglied der königlichen Familie) ausgegeben hat und eine Krankenschwester Auskunft gegeben hat, wie es Kate geht. Mit den daraus entstehenden Folgen konnte die Krankenschwester nicht umgehen und hat sich das Leben genommen. Der Radiosender hätte ja nicht gleich von so einem Extremfall ausgehen können, aber das die Frau daraufhin ihren Job verlieren würe ist doch logisch. Gerade wenn es um die Königsfamilie geht. Das hat der Radiosender meiner Meinung nach einfach in Kauf genommen. Und genauso ist es bei dem Reality-TV. Es ist egal was das für Folgen hat für die betreffende Person oder wie bei ADHS auf eine Vielzahl von Menschen, nur die Quote zählt.

        • Melanie

          ja, das ist ein absolut erschreckendes Beispiel. Sie denken gar nicht nach, was so ein „Joke“ für Konsequenzen haben kann. Dann am Schluss heulend vor der Kamera sitzen und sagen, das habe ich nicht gewollt. Wäre doch besser, vorher mal drüber nachzudenken, doch das überfordert doch die meisten Menschen.

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