Fundstücke

U18-Wahl die Bundestagsvorwahl

Kaum denkt man mal darüber nach den Kindern die Stimme zur Wahl zu überlassen, stolpere ich über einen Zeitungsartikel zur Wahl für unter 18- jährige.

Da Jugendliche in Deutschland keine eigene Stimme haben, wurde dieses Projekt eingerichtet, bei der in bestimmten Wahllokalen unter 18-jährige wählen gehen dürfen. Natürlich nicht am Wahltag selbst, sondern schon vorher.

Gut gedacht, doch sind einige Fragen bei mir noch offen:

  • Lehrer und Leiter von Jugendgruppen sollen vorher das Thema ansprechen und die Jugendlichen auf die Wahl vorbereiten und wenn möglich noch Projekte mit ihnen machen. Sie müssen sich auch für ein Wahllokal anmelden. Für Bayern ehrlich gesagt ein Witz, bei uns beginnt die Schule am 15.9.09. Wann sollen die Lehrer mit den Schülern noch das Thema durchnehmen, wenn die Jugendwahl am 18.9.09 stattfindet???
  • Was passiert mit dem Stimmen? Dienen sie nur für das gute Gefühl gewählt zu haben? Die Hochrechnungen und Wahlergebnisse werden auf u18.org veröffentlicht. Was aber direkt mit den Stimmen passiert, und ob Politiker darauf eingehen werden, steht (noch) in den Sternen
  • Wo kann man wählen gehen? Auch hier habe ich ein Problem. Auf der Internetseite sind leider keine Wahllokale aufgeführt. Das heißt für mich in Bayern, daß ich einen Verein oder Jugendorganisation suchen müsste, die sich daran beteiligt (wo finden???), meine Kinder anmelden müsste, damit sie wählen gehen dürften. Schade, denn wenn die Kinder oder Eltern das Thema Politik in der Familie durchsprechen, dürfen die Kids anscheinend nicht wählen gehen.
  • Wer darf wählen? Alle Kinder und Jungendlichen, die noch keine offizielle Stimme abgeben dürfen. – Eigentlich. Denn die Einschränkung ist, daß sie vorher das Thema irgendwie durchgesprochen haben und sich der Verein/Schule/Organisation mit angemeldet hat.

Fazit:

Eine schöne Sache, daß die Kinder mal mitreden dürften. Doch total unausgereift und leider sehr nachteilig gegenüber Bayern, da hier noch Sommerferien sind und die meisten Vereine und alle Schulen geschlossen haben. So haben die Bayern noch 4 Tage um alles vorzubereiten, vom Wahlraum, zu den Plakaten etc. Hier wahrscheinlich eine Totgeburt, obwohl die Sache absolut Potential hätte. Auch was dann mit den Stimmen geschieht ist mir ehrlich gesagt zu unklar. Werden die Politiker auch über die Stimmen der zukünftigen Wähler nachdenken????

Ich glaube nicht, daß bei dieser Wahl die Aktion bereits Erfolg hat. Ich hoffe die Organisatoren verliern nicht den Mut und machen bei der nächsten Wahl weiter. Vielleicht aber diesmal gerechter.

4 Kommentare

  • Dominik Bär

    Liebe Mella,

    die U18-Wahl für Kinder und Jugendliche ist gar nicht so neu und es gibt daher schon einige Erfahrungen damit. Begonnen wurde damit 1996 mit einem Wahllokal in Berlin-Mitte. In diesem Jahr haben sich bisher 944 Wahllokale angemeldet, davon 138 in Bayern. Auch die Bayern können sich also in den Sommerferien anmelden. Außerdem ist das Projekt ja nicht vom Himmel gefallen. Der Bayrische Jugendring ist seit dem Frühjahr dabei Wahllokale zu werben. Die Wahllokale findet man übrigens auf der webseite http://www.u18.org unter „Wahllokale suchen“. Und da dürfte auch in deiner Nähe eins sein.

    In Berlin hat in der letzten Woche die Schule wieder begonnen. Hier war es zahlreichen Schulen möglich sich innerhalb von vier Tagen bei einer großen Infoveranstaltung für Schüler anzumelden. So konnten die SchülerInnen mit ihren Direktkandidaten diskutieren. Und auch im Unterricht reicht ja eine Woche, um sich dem Thema Wahlen anzunähern. Die LehrerInnen haben ja meist schon in der letzten Ferienwoche Konferenzen, auf denen sie etwas über die U18-Wahl erfahren können. Ansonsten gab es ja auch schon, wie gesagt, vor den Ferien die Info über U18.

    Wenn man für U18 nur die Wahl nachspielt, ist der Sinn wirklich fraglich. Es finden, wie unter Aktuelles zu sehen ist, jedoch zahlreiche Diskussionsveranstaltungen statt. Kinder und Jugendliche entwickeln Wahlprüfsteine und richten so Forderungen an die Politik. Und die Presse nimmt diese Forderungen auch wahr uns dokumentiert sie. U18 rechnet zu dieser Wahl mit 200.000 Teilnehmenden. Das Wahlergebnis hat also schon eine Bedeutung und lässt auch, hoffentlich, die PolitkerInnen nicht kalt.

    Fazit: Wenn man sich eingehender mit der U18-Wahl befasst und im Vorfeld Möglichkeiten bietet, dass die Politik mit jungen Menschen sich auseinandersetzt, halte ich sie für ein sehr sinnvolles, unterstützenswertes Projekt.

    • Mella

      Hallo Dominik Bär,
      für mich ist die U18- Wahl halt neu. Schade, daß sie so wenig promotet wird, daß sie für viele hier in Bayern noch so neu erscheint. Bei uns in Bayern, ist die Zeit für Aktionen wirklich knapp. Wir haben nämlich noch 1 Woche Ferien und somit keine Woche mehr für die Vorbereitung.
      Danke, daß Du mich auf diese Wahllokale suchen hingwiesen hast, ich hätte den Button doch glatt übersehen. Leider gibt es in unserer Nähe kein einiziges Wahllokal. Das nächste ist ungefähr 40 km entfernt. Das ist schon etwas zu weit.
      Ich bin auch der Meinung, wie du, daß es ein absolut sinnvolles und unterstützenswertes Projekt ist, leider ist die Umsetzung nicht gelungen und fair bundesweit umgesetzt.
      Die Teilnehmer könnten durch eine bessere Umsetzung sicher gesteigert werden.

  • Marcus

    Hallo Mella,

    hier noch ein kliner Hinweis zur U18 Wahl. Es besteht genauso wie bei der Bundestagswahl per Briefwahl abzustimmen. Damit ist man von einem Wahllokal in der Nähe unabhängig. Wie das geht, findest Du auf der Internetseite http://www.u18.org. Natürlich ist es schwierig in allen Bundesländern genügend Zeit für die Vorbereitungen zu haben, wenn die Bundestagswahlen schon am 28. September sind. U18 wird bewusst immer 9 Tage vorher durchgeführt, damit die jungen Menschen das größtmögliche Gehör bei den PolitikerInnen finden. Das hat bisher wunderbar funktioniert. Deshalb meine Bitte: nehmt an der Wahl per Briefwahl teil, sprecht mit euren Kindern und anderen Menschen darüber. Je mehr Manschen daran teilnehmen, umso stärker werden junge Menschen mit ihrer Stimme wahrgenommen.
    Ich bin ziemlich sicher, dass am 18. September über 100.000 junge Menschen daran teilnehmen werden.

    Das die Aktion sowenig promotet wird hat auch was mit der geringen finanziellen Ausstattung zu tun. Weder das Bundesministerium für Jugend noch die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützen die Aktion mit Geld.

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