Gedanken

Fremdschämen und für alles Verantwortlich

Oh ja, das sind meine Charakterschwächen und auch meine „Meisterdisziplinen“. Leider bin ich darin ganz groß und ich muss mich echt manchmal wirlich in den Hintern treten und fragen „Was mache ich da – bin ich total bekloppt?“

Anscheinend schon, oder wie kann man es sich erklären, dass ich eine Fußgängerampel aktiviere und jemand nicht früh genug bremst und somit einen Auffahrunfall verursacht – ich mich schuldig fühle. Bin ich etwa dafür verantwortlich, dass der auf der Straße schläft? Nur weil ich die Ampel aktiviert habe?

Woher kommt der Schwachsinn? Warum bin ich dafür und für alles andere Verantwortlich? Hat micht meine Familie schon weichgekocht, die auch mich für alles verantwortlich macht? Ich muss hier für alles sorgen, essen, Toilettenpapier, Kleidung, Spaßprogram, Urlaub etc.  Halt Moment, die könnten mir wohl auch langsam mal helfen und nein auch hier wäre ich nicht für alles verantwortlich. Oder liegt es an der Umwelt? Wenn man von Lehrern für die Leistungen der Kinder verantwortlich gemacht wird und von der Umwelt für die Ordnung im Haushalt etc. Kommt denn da keiner auf die Idee, dass vielleicht auch mal der Mann …. oder dass die Mutter auf die Leistung der Kinder nur wenig Einfluss hat?

Apropos – da sind wir gleich beim Fremdschämen. Wenn ich für “ Unzulänglichkeiten“ angesprochen werde, die mich eigentlich gar nicht betreffen, sondern jemand anderes – warum schäme ich mich dann. Darf ich mich überhaupt schämen? Darf ich mich für mein Kind schämen? Darf ich mir ein Mauseloch herbeiwünschen, wenn der Kleine mal wieder so typisch ist?

Nein, eigentlich nicht. Eigentlich sollte ich hoch erhobenen Hauptes dastehen und darüber stehen. Doch da kommen wir wieder die Bilder von Müttern hoch, die die Realität total verkennen und es auch noch gut finden was ihre Rotzschraatzen da teilweise anstellen. Die finde ich auch doof und hochnäsig und so möchte ich nicht sein.

Doch anders herum – ich möchte mich auch nicht fremdschämen und ich wäre sicher weniger „antastbar“ wenn ich auch so mit erhobenen Hauptes stehen würde.

Ich glaube eher es ist eine Frage der Akzeptanz. Kann ich es wirklich akzeptieren, dass der Kleine etwa so gar nicht in die Norm passt. Will ich eigentlich, dass er in die Norm passt. Passe ich in die Norm? Was ist die Norm eigentlich?

Hier sollte ich eher mal anpacken und mir von der Umwelt die Norm nicht mehr diktieren lassen. Und ich muss auch meine Einstellung überdenken, denn auch wenn ich meine Vorstellungen von Kindern anpasse, so fällt der Kleine doch noch heraus. Aber ich muss die Eigenheiten akzeptieren lernen. Er ist halt nun mal kein normales Kind, sondern er hat ADHS und genau das lässt ihn oft aus der Reihe tanzen.  Und macht es für mich und seine Umwelt manchmal so schwierig.

Vielleicht schäme ich mich ja gar nicht fremd, sondern bin einfach nur müde. Müde das Kind ständig ermahnen und erziehen zu müssen und als Dank dafür von ihm angemotzt zu werden.

Ich glaube ich bin Urlaubsreif.

Ein Kommentar

  • Safferthal

    Ach, das berühmte Fremdschämen. Ich bin ja schon über 40, aber das Wort habe ich das erste Mal erst vor ein paar Jahren in einem Videospiele-Forum gelesen. Das erste mal mündlich habe ich das Wort vor ein paar Monaten in einer Fernsehsendung gehört. Das Wort kommt mir seit dem auch nur ganz selten mal unter. ist wohl besser so.

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