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Eltern und Vorbild?

Sehe ich mich in der Erziehung als Vorbild für meine Kinder? Über diese Frage grüble ich nach, seit ich bei „Gemeine Mama“ in den Kommentaren darauf hingewiesen wurde, dass Eltern immer die Guten sein sollten wegen des Vorbildes.

Nun ja, die einfachste Antwort die ich mir geben konnte ist die auf die Frage, ob meine Mutter oder besser gesagt meine Eltern mein Vorbild waren. Hier ist die Antwort klar und eindeutig NEIN. Das wollte ich auch nie so sein wie sie.

Doch ist dieses Verhalten eher normal oder sollte ich meine Beziehung zu den Kindern überdenken. Bisher dachte ich, dass die Kinder in den seltensten Fällen ihre Eltern als Vorbild sehen. Wenn dann schon eher andere Erwachsene.

Dann wäre die Aussage von oben wohl so richtig:

Erwachsene als Vorbild für Kinder.

Doch das ist wahrscheinlich für alle wieder viel zu allgemein. Doch dann sollte ich mich dann doch wieder auf den kleinen Kreis meiner Familie sehen.

Sind mein Mann und ich Vorbilder für unsere Kinder? So lange sie klein waren ganz sicher. Doch jetzt wo langsam die ersten pubertären Phasen kommen und der Wunsch nach Abgrenzung größer wird – sind wir dann noch länger Vorbilder?

Wahrscheinlich eher nicht und da wir auch noch recht jung sind hoffe ich, dass sich unsere Kinder andere Erwachsene als Vorbild suchen, denn es wird für sie schwer werden sich von uns richtig abzugrenzen. Damit meine ich, dass wir moderne rockige Musik mögen, uns locker kleiden, auf Konzerte gehen, Trendsport machen etc.

Für mich war es da einfacher – meine Eltern hörten Schlager – da landete ich schnell beim HeavyMetal und die Abgrenzung konnte fast nicht krasser sein. Auch von der Kleidung war es für mich und meinem Mann immer leicht, da unsere Eltern sich immer sehr konservativ gekleidet haben. So hat meine Mutter keinen Minirock getragen oder Shorts.

Hier sind dann meine Erfahrungen zu Ende, denn ich hab leider keine Ahnung, wie sich die Kinder von meiner Generation abgegrenzt haben, deren Eltern auch eher schon immer modern waren. Denn diese Fälle gab es bei uns nur sehr selten, denn hier im bayerischen Land waren die Rollen schon immer eher konservativ verteilt. Dies ändert sich jetzt, doch damals war es schon noch viel stärker. Mütter tragen bei der Hausarbeit die Kittelschürzen und ansonsten lange Röcke oder Hosen. Jetzt tragen Mütter Tattoos und Pircings und bei guter Figur Bauchfrei und alle Minirock. Eine Kittelschürze fasse ich zur Not nur mit einer Kneifzange an und würde mich wohl eher erschießen als sie jemals anzuziehen.  Mein Mann hat lange Haare und sieht maximal 25 Jahre alt aus.

Nein wir sind wohl keine Vorbilder, zumindest nicht für die Zeit in der Pubertät. Vielleicht wieder, wenn die Kids dann selbst etwa 25 Jahre alt sind.

Doch sind wir die Guten?

Meistens ja, doch immer kann und will ich nicht zu den Guten gehören. Denn bei der Kindererziehung ist man als Mutter oft die Böse, nämlich immer dann, wenn man sich nicht dem Willen der Kinder unterwirft.

Und ja, manchmal genieße ich es einfach auch nur mal die Böse zu sein

6 Kommentare

  • Frau_Mahlzahn

    Vorbild, na ja. Ich hoffe, einigermaßen integer zu sein, und ich hoffe, dass die Grundsteine, die mein Mann und ich in Sachen moralische Wertvorstellungen gelegt haben, die Kinder durch die schwierigen Zeiten tragen werden, auch in denen, in denen sie sich abgrenzen _müssen_.

    Ansonsten… glaube ich oft, dass ich es Mutze leichter machen müsste, sich abzugrenzen, doch bedauerlicherweise finde ich vieles von dem, was sie macht, recht cool. (Und meine Freundinnen auch). Darüber klagte sie kürzlich mal, aber ich konnte sie zumindest damit aufmuntern, dass alle Erwachsenen, die sie cool finden, selber auch halbwegs restcool sind. Ein gewisses Problem ist es aber schon und wir müssen ein bisschen aufpassen. Es gibt aber auch genug andere Gelegenheiten, in denen sie sich abgrenzen kann und ich ordnungsgemäß so handele, dass sie sich lieber nicht so viel mit mir in der Öffentlichkeit zeigt, *ggg*.

    Wie gesagt, wir hoffen, dass wir den Kindern ordentliche Werte mitgegeben haben, die ein bisschen ein Leitfaden für sie sind. Das geht aber auch nur dann, wenn man selber authentisch ist.

    So long,
    Corinna

  • Sylvia

    Zu gegebener Zeit werden deine Jungs dir schon deutlich zeigen, mit welchen Themen man sich auch bei modernsten Eltern abgrenzen kann *ggg*.

    Ich denke, am wichtigsten ist, dass man als Eltern seine Werte klar ausdrückt und lebt, da schließe ich mich Corinna an. Alles andere sind eher äußerliche Dinge.

    Bauchfrei und Minirock „geht“ auch bei einer guten Figur nicht mehr in jedem Alter, finde ich. Wenn ich manche Mütter der Klassenkameradinnen meiner Töchter anschaue, dann fällt es einfach unangenehm auf, wenn die Damen zwar von hinten gut aussehen, das Gesicht dann aber ein 50er-Modell ist. Es gibt nichts peinlicheres als Mütter, die den Modestil ihrer Töchter kopieren, nur weil sie die Figur dazu haben. Allerdings bin ich ein gebranntes Kind, meine Mutter hat dies immer ganz extrem gemacht – grauenhaft, man möchte als Tochter gerne in einem Loch verschwinden 🙁 Aber das kann dir bei Söhnen eher nicht passieren *g*.

    Ich bin äußerlich eher spießig (weil ich kein Modetalent habe), aber ohne Kittelschürze, und in guten Phasen bestätigen mir meine Töchter, dass ich innerlich jünger und viel lässiger bin als die krampfhaft jugendlichen Mütter :-). Das empfinde ich dann doch als nettes Kompliment *freu*.

  • Freundin A.

    Meiner Meinung nach sind Erwachsene als „Vorbilder“ in zweierlei Hinsicht zu sehen. Zum einem als „vor Bild“ – sie zeigen Kindern wie man leben kann, ob es jetzt gut oder schlecht ist, sei mal dahin gestellt. Sie stellen ein „Bild“ des Lebens dar, was man tun bzw. wie man leben kann.Und das Kind kann dann selber entscheiden in welche Richtung es gehen will, gleich oder anders- was ja meistens in der Pupertät ausprobiert wird . Und dann gibt es noch das „Vorbild“, jenes Bild, mit dem sich ein Kind – oder ein „Erwachsener in Ausbildung“ – identifizieren kann. Da wird bei dem einen Erwachsen der Kleiderstil sein, bei anderem der Musikgeschmack…wichtig ist es wohl autentisch rüber zu kommen

  • Mella

    Danke für Eure Kommentare! Ja authentisch muss man als Eltern schon sein und es gibt nichts schöneres als mit den Kindern zusammen über die Kandidaten zu lästern, die sich wie die Kinder aufführen.
    Beispiel „Schnellscheißerhosen“ (das sind die wo der Po in der Kniekehle hängt) bei 50-jährigen Männern.
    Der Große fand das auch grauenhaft

  • Frau_Mahlzahn

    Na ja, Schnellscheißerhosen bei 50-jährigen Männern sind ja eher eine Frage des dicken Gruselbauches, *ggg*…

    @sylvia: ich bin Mutze auch gelegentlich peinlich (aber eher so inhaltlich) und sag‘ ihr dann oft (scherzend), dass da ja schließlich auch meine Aufgabe als Mutter sei, *ggg*.

    @Mella: Ich hänge immer noch an Deiner Abenteuer-Sache und denke mir, dass Abenteuer vielleicht das falsche Wort ist. Denn mal ehrlich: _So_ klasse sind Abenteuer vielleicht doch nicht immer, vor allem, wenn man nicht wirklich bestimmen kann, wie sie ausgehen. Die Möglichkeit, sich zu bewähren, trifft es vielleicht eher. Und solche Möglichkeiten kann man als Eltern ja durchaus schaffen.

    So long,
    Corinna

  • Mella

    Bei der Abenteuersache muss man vielleicht doch noch mal nachfassen:
    Du hast recht – viele Abenteuer sind Situationen in denen man sich bewähren muss.
    Doch es gibt auch „Abenteuer“ die einfach nicht alltäglich sind.
    Da sind so kleine Sachen wie im Garten zelten, durch den nächsten Bach zu waten und alle möglichen Tiere einzufangen (hehe, ich lese bei Dir mit)
    oder wie der Große heute alleine mit dem Bus in die nächste Stadt zu fahren.
    Diese Abenteuer gehen in der Regel meist gut aus – schaffen manchmal die Möglichkeit sich zu Bewähren und
    sie sind zumindest für meine Kids nicht alltäglich.
    Und sie sind zu wenig!

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