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Eltern und Vorbild

Bei dem tollen Vortrag am Freitag hat zum Schluss der Direktor des örtlichen Gymnasiums Einwand gebracht, an dem ich zur Zeit etwas knabbere:

Den momentanen Jugendwahn zur Zeit braucht niemand. Es sollten sich die Eltern nicht die Jugend als Vorbild nehmen. Es bringt nichts, wenn die Mutter sich noch einen 6. Ohrring stechen lässt, und das Kind dann einen 7. Ohrring braucht.

Die Eltern sollten selbst wieder zum Vorbild werden

Ups, da sagt der was. Und recht hat er auch, leider. Zumindest irgendwie. Ich bin jetzt 35 Jahre alt und fühle mich jetzt nicht so erwachsen und reif und alt, wie ich meine Eltern damals empfunden habe. Auch empfinde ich nicht viel anders als mit 25 und ja, ich denke über einen Nasenstecker nach. Wahrscheinlich mache ich den auch.

Ich gehöre aber nicht dem Jugendwahn an, zumindest bilde ich mir das ein. Ich lasse mir keine Falten wegspritzen (hehe, ich hab noch keine – klopfaufHolz) und versuche auch nicht mit aller Macht mich den Jugendlichen anzugleichen – auch nicht von der Kleidung. Das heißt nicht, dass ich total unmodern rumlaufe.

Doch was bin ich für ein Vorbild. Ich bin für einen 10-jährigen eine recht junge Mama. Zumindest bin ich bei den Elterntreffen immer bei den jüngeren dabei. Ich bin jetzt auch nicht total starr und „alt“ und ich bewege mich viel im Internet. Ich habe eine weitere Ausbildung in Eigenregie gemacht und ich habe ein Tattoo und vielleicht auch einen Nasenstecker – ein Piercing. Übrigens habe ich seit Jahren 4 Ohrstecker.

Ich glaube, ich habe den richtigen Weg für mich gewählt aber sehen das meine Kinder auch so? Wie sieht es mit meinem Mann aus? Auch nicht besser als bei mir. Zudem sieht er noch sehr jung aus (er wird oft 10 Jahre jünger geschätzt).

Sollten wir uns doch etwas umstellen und nicht mit den Kids ins Pink-Konzert gehen, keine Nasenstecker machen lassen, seriöser werden? Oder hat der Direktor eher die „Extremen“ unserer Generation gemeint? Denn seien wir ehrlich, diese gibt es auch. Diese ewig jungen, die jetzt mit Mitte 30 immer noch regelmäßig in die Disko rennen, den kürzesten Rock aus dem Geschäft kaufen und noch schlimmer – tragen.
Auch so jeden Trend mitmachen.

Ja ich glaube, diese haben die Jugend als Vorbild – doch selbst haben sie kein Profil mehr. Das ist schade.

6 Kommentare

  • Frau_Mahlzahn

    *lol* — mein Thema. Ich genieße die Midlife Crisis ja in vollen Zügen, ich meine, in Würde altern kann ich später immer noch.

    Ich hab‘ mein Bauchnabelpiercing reaktiviert, mir Chucks gekauft und trage gelegentlich kurze Röcke (was ich früher nie gemacht hätte) — weil jetzt geht’s noch, in ein paar Jahren dann nicht mehr, ;-).

    Über den Nasenstecker denke ich auch ernsthaft nach — mit 18 habe ich ihn mir ausreden lassen und mich dann nie wieder überwunden. Und so albern das auch ist, das bereue ich. Andererseits: jetzt wär’s auch nicht mehr das, was es mal war, weil jetzt hat ja jeder einen. (Genauso wie jetzt jeder ein Tattoo hat, so dass es völlig uninteressant für mich geworden ist).

    Klar ist das eine gewisse Unreife — aber ich bin jetzt alt genug, um dazu zu stehen, ;-).

    Aber im Ernst: das Thema ist wirklich wichtig und ich möchte nicht die Freundin meiner Tochter sein. Und ich wäge ein bisschen ab: hätte Mutze z.B. dringend Chucks gewollt, hätte ich ihr das Feld überlassen. Und als sie meine ultralässigen Adidas-Schuhe übernommen hat, habe ich sie mir nicht noch mal nachgekauft (obwohl ich ihnen immer noch hinterher jammere), denn Partnerlook mit dem eigenen Kind muss nicht sein.

    Im Grunde ist die Frage: übernehmen die Eltern die Verantwortung oder nicht?

    Wenn ja, dann können auch vier Ohrstecker (ich hab‘ drei), Chucks und ein Piercing nicht schrecken.

    Wer aber ewig jung bleiben will, sich bei den Kindern anbiedert, mit 40 noch regelmäßig in die Disco rennt und sich jugendlich aufstylt, steht nicht zu sich selber und wird auch dieser Verantwortung nicht wirklich gerecht. Und wird es vermutlich auch noch lässig finden, wenn die Kinder sich dann das siebte oder achte Ohrloch stechen, um sich abzugrenzen.

    Ich lasse meine Große — altersgerecht — alles ausprobieren, was sie interessiert (sehr spannend diese Orientierungsphase, in der sie gerade ist), aber wenn sie sich Strähnen färbt, dann mache ich genau das sicher nicht. Ein bisschen Abgrenzung muss schon sein (auch in meinem Interesse).

    So long,
    Corinna

  • Mella

    Hehe, gut dass ich Jungs habe – da ist Bauchnabelpiercing noch kein Thema. Leider ist mein Bauch nicht schön genug um noch in den Mittelpunkt gerückt zu werden – sonst hätte ich schon längst eines

    Ich muss es zum Glück auch nicht ganz verkehrt machen, denn meine Kids genießen es auch mal so richtig, wenn ihre Mutter mal verrückte Dinge mitmacht und sich zwar abgrenzt aber nicht unbedingt „altergerecht“ verhält. Doch sollten sie sich nie für mich schämen müssen.

    Ich trag übrigens auch Miniröcke

  • Frau_Mahlzahn

    Siext, nur dass Du Dir die Miniröcker sicher „leisten“ kannst, ;-).

    Mein Bauch ist auch nicht schön genug für ein Piercing, das war er schon damals nicht, als ich ihn mir stecken ließ. Ist aber auch nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern mein Privatvergnügen.

    Auf meine Große wirkt es übrigens abschreckend, kann ich gleich also pädagogisch begründen, ;-).

    Manche Sachen — nicht das Piercing! — finden meine Kinder auch ganz lässig, aber da sie ihre Gedanken auch recht gut artikulieren, bin ich sicher, dass sie es mich auch wissen lassen würden, wenn es ihnen zu viel würde!

    So long,
    Corinna

  • Mella

    Übrigens bin ich noch viiiieeeel zu jung für die Mittlife-Crisis, die hebe ich mir für später auf, wenn die Kids aus dem Haus sind

    Doch bei allem Spaß sollten wir nicht vergessen, dass der Rektor mit seiner Aussage doch leider recht hat. Schau Dir mal die ganzen Stars mit Botox etc. an. Die wollen mit Mitte 40 wirklich noch wie 20 wirken.

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