ADHS

Er wirkt doch ganz normal!

Unser Kleiner hat ADHS und Entwicklungsrückstand und Legasthenie und und und.

Trotzdem ist er ein Junge, der sich für die gleichen Sachen interessiert, wie andere Jungs auch. Seine Krankheit zeigt sich nicht in einem großen einzelnen Symptom sondern in tausend Kleinigkeiten. Diese zusammen sind bestimmt genauso anstrengend wie eine einzelne „Behinderung“ wie etwa Bein ab, oder Arm ab. Nicht, daß dies nicht schlimm wäre, aber man kann meist doch recht gut damit leben, genau so wie mit ADHS.

Einen großen Unterschied gibt es aber doch. Die Akzeptanz. Bei einer körperlichen oder anderen sichtbaren Beeinträchtigung werden die Eltern immer unterstützt und die Beeinträchtigung nie bezweifelt.

Ich meine damit die Aussagen wie:

„Ich Kind wirkt doch ganz normal!“ oder

Wieso sind Sie eigentlich hier in Behandlung?“ auch gerne genommen

„Übertreiben Sie nicht da etwas?“ ganz übel

„So schlimm kann es doch nicht sein“ etc.

Dies alles nur, weil er sich auch eine kleine Weile (länger sind die Aussager ja nicht anwesend) ruhig beschäftigen kann, wenn ihn etwas

spielplatz von tillwe in flickr.com
spielplatz von tillwe in flickr.com

interessiert, oder beim Friseur ganz still sitzt. Da ist es ja auch klar, eine junge schöne Frau kümmert sich nur um ihn. (Ist halt auch nur ein Mann, wenn auch noch ein kleiner). Trotzdem kann ich diese Aussagen absolut nicht ausstehen!!

Wissen die eigentlich, wieviel Arbeit – Erziehungsarbeit und Therapien dahinter stecken damit er so normal wirkt? Wissen die auch, wie aufgedreht er nach diesen ruhigen Phasen ist?? Meinen die wir geben die Tabletten nur so aus Spaß???

Manchmal denke ich, wir könnten gerne mal tauschen. Mal schauen, wann die 1001 Kleinigkeit sie an die Grenzen bringt.

Bevor nun die Kommentare zu meinem Woerterbuch „Normal“ hageln, bitte diesen Artikel vorher noch lesen. Danke

2 Kommentare

  • Sylvia

    Das kenne ich sooooo gut. Meine Kinder wirken auf den ersten Blick alle total „normal“, bei meinem Jüngsten mußte ich sogar ernsthaft mit der Psychologin zusammen zum Gespräch in der Schule antanzen, weil er sich dort so „normal“ verhält und die ach so erfahrenen Pädagogen die Diagnose anzweifelten *kotz*.

    Dass wir bei ihm schon im Kindergartenalter mit der Therapie angefangen haben (das dritte ADS-Kind einer Familie hat den Vorteil, dass man schnell Hilfe sucht und sich nicht mehr mit „Phasen“ abspeisen läßt), dass wir im Vergleich zu Eltern „normaler“ Kinder ein Vielfaches der Erziehungsarbeit leisten, und dass das Kind sich gewaltig anstrengt, um in der Schule nicht aufzufallen, all das haben die Lehrer leider trotzdem nicht kapiert.

    Und nicht nur sie – wer uns nicht gut kennt und die Ausbrüche daheim, in sicherer Umgebung, wenn das Kind auch mal loslassen kann, nicht selbst erlebt, der erkennt nur bei sehr aufmerksamer Beobachtung, dass etwas „anders“ ist bei den Kindern.

    Ich wünsche mir auch manchmal, dass der eine oder andere Schwätzer nur mal drei Tage meine Schuhe tragen könnte, so richtig, mit allen Sorgen.

    Und manchmal, wenn eine Situation doch in der Öffentlichkeit eskaliert, dann hätte ich gerne ein Schild, das den Begriff „seelische Behinderung“ erklärt.

    • Mella

      Danke für diesen Kommentar. Manchmal fängt man wirklich an zu verzweifeln. Es ist schön, daß es nicht nur mir so geht, sondern auch andere Eltern diese Kommentare kennen.

      Gerade dann, wenn auch mal die Öffentlichkeit mal die eine oder andere Situation miterleben darf, dann, ja aber auch nur dann, wird festgestellt, daß etwas nicht normal läuft. Aber daran ist ja sicher die Erziehung schuld. Auch wieder so eine schöne Phrase, die ich nicht ausstehen kann.

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