Er wirkt doch ganz normal!

Unser Kleiner hat ADHS und Entwicklungsrückstand und Legasthenie und und und.

Trotzdem ist er ein Junge, der sich für die gleichen Sachen interessiert, wie andere Jungs auch. Seine Krankheit zeigt sich nicht in einem großen einzelnen Symptom sondern in tausend Kleinigkeiten. Diese zusammen sind bestimmt genauso anstrengend wie eine einzelne “Behinderung” wie etwa Bein ab, oder Arm ab. Nicht, daß dies nicht schlimm wäre, aber man kann meist doch recht gut damit leben, genau so wie mit ADHS.

Einen großen Unterschied gibt es aber doch. Die Akzeptanz. Bei einer körperlichen oder anderen sichtbaren Beeinträchtigung werden die Eltern immer unterstützt und die Beeinträchtigung nie bezweifelt.

Ich meine damit die Aussagen wie:

Risikobewustsein

Unseren Kleinen bringe ich immer noch zur Schule und hole ihn ab; obwohl der Schulweg nicht besonders schwierig ist und nur eine Ampel und ein Zebrastreifen überquert werden müssen.

Und das in der 2.Klasse, fast schon in der 3. Klasse.

Eigentlich dachte ich, könnte er doch ein wenig selbständiger werden. Seit einiger Zeit bringe ich ihn nur noch zum Zebrastreifen.

Doch Gestern habe ich beobachtet, wie er angefangen hat Busse zu jagen. Er wollte unbedingt einen fahrenden Bus berühren.

Normal – Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

Ich habe 2 Söhne, einmal mit und einmal ohne ADHS, Legasthenie etc.

Da fallen mir die Unterschiede dann doch sehr auf.

Der Große – ohne die Zusätze – ist ein unauffälliges Kind mit den üblichen Problemchen, vielen Freunden und überall gut integriert. Er hat in der Schule konstante Leistungen und entwickelt sich altersgerecht.

Wie soll ich dieses Kind bezeichnen?

08/15 ist abwertend und anssonsten fällt mir nur noch “normal” ein.

Aber was mache ich dann mit dem Kleinen, der alle Zusätze in sich vereint und dadurch ständig aneckt, überall auffällt, nie in einen Rahmen passt und alle Schubläden sprengt. Dies alles im positiven sowie auch im negativen Sinne. Zudem braucht er diverse Therapien.

Wie soll ich ihn bezeichnen?

Auch normal? Ist er ja auch und auch wieder nicht.

Besonders? Das ist negativ wie besonders schwierig , besonders dumm etc. Das stimmt nicht!

Außergewöhnlich? Ja, das ist er, aber so werte ich auch gleichzeitig seinen Bruder ab, denn dieser ist genauso wie jeder Andere auch außergewöhnlich. Jeder auf seine Art.

Jetzt stoße ich mit meinem Wortschatz wirklich an Grenzen. Wenn ich dann von normal und nicht normal rede werde ich oft falsch verstanden, wie ich sehe unseren Kleinen als behindert an.


Ich weiß allerdings auch keinen anderen Ausdruck um unseren Kleinen zu beschreiben. Er ist einfach so wie er ist und das ist auch absolut okay für uns.

Wir haben auch die wenigsten Probleme damit, im Gegensatz zu Manchen in seiner Umwelt.

Trotzdem weiß ich einfach keinen Ausdruck für ihn

Tabletten und andere Therapien

Es ist erschreckend, wie einfach es ist an Betäubungsmittel und wie schwer es ist an normale Therapien zu kommen.

Unser Sohn hat diagnostiziertes ADHS und bekommt Medikamente. Die Diskussion über den Sinn möchte ich auf einen anderen Artikel verschieben, nur soviel – es ermöglicht ihm an einem normalen Sozialleben teilzunehmen ohne allzu sehr anzuecken und damit noch mehr zum Außenseiter zu werden.

Allerdings sind wir und die behandelnden Ärzte auch der Meinung, daß Medikamente – hier Methylpheni TAD nie die einzige Therapie bleiben sollte, sondern andere Therapien ergänzen bzw. erst ermöglichen soll.

Nun haben wir folgendes Problem:

Großmütter

Klar, Menschen und somit auch Großmütter sind verschieden.

Doch eines fällt mir besonders auf.

Sobald eines der Enkel ein wenig aus der Norm (ADHS, Unfallkind, Behinderung etc.)  fällt gibt es 3 Typen:

Sind Sie sich da auch ganz sicher?

Nicht jedes lebhafte und etwas unruhige Kind hat ADHS und ich stimme den Kritikern im Groben und Ganzen zu, daß ADHS sehr schnell und voreilig diagnostiziert wird. Auch wir haben die Erfahrung gemacht.

Wir haben 2 Söhne, der jüngere hat eindeutig ADHS mit allen Anzeichen. Den Älteren wollten wir nach der Diagnose sicherheitshalber auch abklären lassen, da ja die Theorie vertreten wird, daß ADHS zum Teil durch Vererbung übertragen wird.

Der Arzt stellte auch beim Großen ADS – also ohne Hyperaktivität – und angeblich auch nur leicht fest. Da die Kinder, vor allem der Jüngere noch recht klein waren, bekamen wir nur die Empfehlung mit dem Kindergarten zusammen das Kind möglichst zu fördern und mit dem Großen in die vom Arzt geführte Therapiegruppe zu besuchen. Die haben wir allerdings aufgrund der Entfernung nicht wahrgenommen.

Nächster Termin 1 Jahr später
Pünktlich nach 1 Jahr kamen wir mit dem Jüngsten in die Praxis und wollten den Stand der Dinge und die nächsten Schritte Richtung Schule abklären. Das Ergebnis war niederschmetternd. Nach nur 1 Stunde bekamen wir allgemeines Blabla zu hören. Keine Reaktion auf die Fortschritte oder weitere Maßnahmen, die auch nur nach Nachfrage recht allgemein mit „Na warten Sie doch erst mal ab“ beantwortet wurden.

Doof wie wir sind, haben wir dem Arzt vertraut und abgewartet.

Dies war ein großer Fehler.