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engagiert, ehrgeizig oder schrecklich?

Alles drei trifft vielleicht gerade auf mich als Mutter zu. Im negativen, wie im positiven Sinne und nur bei einem einzelnen Bereich.

Worum geht es?

Nun, unser Kleiner ist ja ADHSler und vor allem Legastheniker. Als er vor zwei Jahren in die 5. Klasse des Internates kam, war er vom Unterrichtsstoff in der zweiten Klasse hängen geblieben und vom Arbeitsverhalten noch gar nicht in der Schule angekommen. Die Lehrkraft und er haben am Anfang allen Ernstes Diskutiert, ob leserliche Hefteinträge möglich sind (sie ja er nein) und ob eine Überschrift nicht reiche, und wenn dann aber die bitteschön leserlich.

Das waren die Anfänge. Dazu noch neuer Stoff und natürlich auch anderes Niveau als in der Grundschule.

Heute muss ich sagen: Hut ab! Unser Kleiner hat sich echt tapfer geschlagen und jede Menge aufgeholt. Sehr viel aufgeholt. Allerdings nicht ganz genug, denn in der 5. Klasse war er damit beschäftigt anzukommen und überhaupt ansatzweise das Niveau zu erreichen. Leider blieb Englisch dabei auf der Strecke. Freiwillig lernen – er doch nicht. Vokabeln? Wofür braucht man die?

Nun ist es so, dass er zwar die 6. Klasse bestanden hat, aber in Englisch große Defizite hat und auch sein Arbeitsverhalten noch nicht 7.-Klasse geeignet ist, denn dort ist ein Lehrkraftwechsel die Regel und er kann nicht wie bisher erst 10 Minuten später erst das neue Fach beginnen, weil er erst noch was fertig machen möchte. Daher wird er die 6. Klasse freiwillig wiederholen. Dennoch wurde mir nahegelegt, dass er ja vielleicht in Englisch die Vokabeln auch in den Ferien wiederholen sollte.

Nun gut. Machen wir es halt. Ich dachte es ist nicht so wild, denn die hat er ja schon mal alle gelernt.

Pustekuchen. Da ist wirklich kein Grundwissen da. Und wenn wir schon lernen – dann lernen wir auch die Schreibweise. Bei einem Legastheniker erst recht sinnvoll und wichtig! Denn im Englischen kann ein Buchstabe mehr oder weniger einen erheblichen Unterschied machen.

Nun lernen wir also jeden Tag – das ist der engagierte Teil von mir. Oder der Schreckliche, wenn man mein Kind fragt.

Warum aber mache ich das?

Nun jetzt gestehe ich mal was. Ich war in Französisch hundsmieserabel. Auch aus einem Grund, nämlich weil in der 7. Klasse (erstes Jahr mit Französisch) die Lehrkraft für 3 Monate ausfiel und ich da den Anschluss irgendwie verloren habe. Sprich mir fehlte auch die Grundlage.

Jetzt beim Abfragen habe ich mir überlegt – was wäre gewesen, wenn meine Mutter irgendwann, vielleicht auch so nach dem zweiten Französischjahr auch die Notbremse gezogen hätte und mit mir die Grundlagenvokabeln in den Ferien gelernt hätte. Hätte ich da die Kurve noch bekommen? Wäre meine Standard 5 aus meinem Zeugnis gewichen?

Gute Frage, aber ich glaube die Antwort lautet ja, ich hätte da noch eine Chance bekommen. Auch wenn mir es genauso viel Spaß gemacht hätte, wie meinen Kindern heute.

Aber da müssen sie durch.

Ach ja, der Große lernt auch – für die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium.

Also geteiltes Leid ist halbes Leid.

2 Kommentare

  • Iris

    Hallo Mella,
    zu deinen Eigenschaften möchte ich mich jetzt mal nicht äußern. Ich bewundere aber deine Energie, v.a. beim kleinen Sohn, der da ja nicht so ohne weiteres mitzuspielen scheint. Beim Großen ist die Motivation wegen der Prüfung sicher von alleine ziemlich hoch. Ich selbst habe mir, als meine Kinder noch zur Schule gingen, sowas auch öfter vorgenommen. Richtig durchgezogen habe ich es nur einmal, als es bei meinem Sohn Lesedefizite gab nach der 1. Klasse. Das artete aber richtig in Stress aus, hat seine Lust auf Lesen definitiv verringert. Darum habe ich etwas Vergleichbares nie wieder gemacht. Außerdem hatte ich in den Ferien immer dermaßen wenig Lust auf Schule, dass ich mir das nicht antun wollte. Es ist auch wirklich schwierig, wenn man erst nach Wochen ein positives Feedback in Form von Noten bekommt, denn das spornt doch immer noch am meisten an.
    LG Iris

    • Melanie

      Ach, er spielt für seine Verhältnisse ganz gut mit. Einerseits, weil er dabei war, als uns das Lernen recht nahe gelegt wurde und zum anderen, weil er selbst merkt, dass ihm die Grundlagenvokabeln einfach fehlen. Zudem lernt der Bruder auch. Also geht es verhältnismässig gut.
      Normal würde ich es auch nicht unbedingt durchziehen, doch es ist echt so, dass er sonst zum 6.Klassen-Stoff noch die 5. Klasse nochmal wiederholen müsste und das alleine und freiwillig. Nee, er sieht selbst, dass er hier noch Anleitung braucht und wir lernen ja auch nicht den ganzen Tag.

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