Heimat

Kennst Du Wasserburg? – Stadt – Historisches

Wasserburg ist eine alte Stadt, was man heute auch noch sehen kann. Zum Glück möchte ich sagen.  Vor allem das Mittelalter ist heute noch sehr gut sichtbar – obwohl…

Angefangen hat alles mit den Römern.

Das ist aber hier in der Gegend keine Seltenheit. Die waren wirklich überall und die meisten Ortschaften hatten mal irgendwas mit den Römern zu tun.

1137 entstand die Burg

Nach den Römern war anscheinend erst mal Ruhe, oder besser gesagt nur Fischer machten es sich hier gemütlich. Als dann der der Verkehr auf den Wasserstraßen zunahm, hat Hallgraf Engelbert sich Wasserburg für seinen neuen Sitz ausgesucht. Dazu hat ihn die Lage, das Zusammentreffen eines Handelsweges mit einer Wasserstraße und die Möglichkeit der guten Befestigung bewogen. Mit der Burg gabe es auch bald eine Brücke mit einem Mauthaus. Das war der Beginn einer glorreichen Ära. 

Blütezeit Mittelalter

Der Inn brachte alle möglichen Waren. Vom Wein und sonstigen Handelswaren bis zum weißen Gold. Dem Salz. Das Salz machte Wasserburg so richtig reich. Neben den Zoll- und Mauteinnahmen durfte Wasserburg sogar den Salzscheibenpfennig erheben. Für jede Scheibe Salz musste ein Pfennig abgeführt werden. Als Hafen von München gab es entsprechend Verkehr :-). Wasserburg wuchs und wuchs.

1306 wurde dann die Frauenkirche errichtet und kurze Zeit später den Stadtturm, den viele fälschlicherweise als Kirchturm von der Frauenkirche sehen. Doch war es der Turm, in dem der Türmer wohnte. Beide Gebäude stehen noch (und wer das Glück hat den Stadtturm zu besichtigen, unbedingt machen!) der kann sogar noch die alten Holzbalken sehen. Die sind 800!!!!  Jahre alt und haben schon einige Feuer überstanden.

Apropos Feuer

Innstadtbauweise

Nach einem großen Stadtbrand wurde Wasserburg in der auch noch heute sichtbaren „Innstadtbauweise“ wieder auferbaut. Diese Bauweise findet man nur bei einigen Städten am Inn. Gemeinsam haben sie alle, dass ihre Häuser Schmetterlingsdächer aufweisen und vorne Brandschutzmauern aufgesetzt sind. Dies sollte es dem Feuer erschweren von einem Haus auf das andere überzuspringen. (siehe auch „Der Inn erzählt“)

Edit: Hinweis aus der Stadtverwaltung: Anscheinend sind viele Besucher enttäuscht, dass hier die Fassaden zwar farbig, aber nicht übermäßig reich verziert sind. Wasserburg hat sich einen gotischen Charakter erhalten, bei der das Stadtbild so war. Dadurch kommen aber genau auch die Häuser besonders zur Geltung, die hingegen aus einer anderen Zeit stammen und entsprechend anders gestaltet sind. Der Mix macht es!

Kriege und Pest

Wasserburg ist und war eine wehrhafte Stadt. Dies kann man noch an einigen Symbolen und Inschriften in der Stadt sehen und nachvollziehen. Trotz Belagerungen und Kriege hat Wasserburg sehr gut Standgehalten. Nur die Pest war damals ein richtiges Problem. So wurden teilweise ganze Familien ausgerottet, bis die Pest irgendwann mal zu Ende war. Eine der seltenen Pesttüren kann man heute noch sehen. Diese Pesttüre hat nur eine kleine Öffnung durch die das Essen gereicht wurde oder die Leichen rausgeschoben wurden.

Achtung Besonderheit 2012

Alle 7 Jahre will es der Brauch, dass die Schäffler einen besonderen Tanz aufführen. Dieser geht auf die Pest zurück. Diesen gibt es nur in einigen auserwählten Städten. Wasserburg gehört dazu und 2012 ist es wieder soweit. Der Schäfflertanz wird gezeigt. Weiteres unter Schäfflertanz in Brauchtumsjahr.de

 

Untergang

Erst der Aufschwung der Eisenbahn war für Wasserburg das Ende. Also mehr oder Weniger. Denn das Salz wurde bisher immer über Wasserburg transportiert und von dort weiter nach Rosenheim und München. Um Salz zu gewinnen, muss man das Salz aus dem Berg lösen, dann das Gestein in Wasser geben, um das Salz zu lösen und diese Sole dann so lange einkochen, bis das Wasser verdampft ist. In Berchtesgaden wurde das Salz abgebaut, die Bäume wurden dort immer weniger, bis dann in Rosenheim die Sole verdampft wurde. So bekam Rosenheim eine immer größere Bedeutung.

Und als dann die Bahn gebaut wurde, war Rosenheim plötzlich ein wichter Verkehrsknotenpunkt (Bahn und Straße mit Verbindung nach München, Salzburg und Kufstein) und Wasserburg war ins Abseits gerutscht.

Heute ist Rosenheim die Kreisstadt und Wasserburg nur noch ein kleines Anhängsel. Dies war nach der Gebietsreform in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Landkreis Wasserburg aufgelöst wurde.

Touristische Pfade

Was ich Wasserburg hoch anrechnen muss, ist, dass es kaum Bausünden gibt. Zumindest nicht in der Altstadt. Die Gebäude werden saniert und gut erhalten, so dass sie den heutigen Standard entsprechen, aber ohne ihre historischen Zeichen zu verlieren. Malereien sind sichtbar, Makrenzeichen ebenso. Auch dass die halbe Altstadt noch mit Kopfsteinpflaster belegt ist (Achtung nicht stöckelschuhfreundlich!) zeugt von Umsicht. Die Altstadt hat wirklich noch ein mittelalterliches Flair und man kann noch vieles darin entdecken. Obwohl ich mich für das Thema interessiere und mir auch einiges geläufig war, habe ich bei der historischen Stadtführung noch einiges dazugelernt. Dabei sag ich auch gleich Hut ab. Die historische Stadtführung ist echt genial gemacht.

historische Stadtführung

Klar läuft man als Gruppe mit einem Stadtführer an der Spitze durch die Gegend, doch immer wieder kommen plötzlich mittelalterliche Gestalten daher, die eine kurze Einlage bieten. So ist der Stadtknecht da, der den Weg versperrt oder der Gumpelsheimer  zeigt seinen Innenhof  und erklärt die Innplätten, die er führt. (Schiffsmeister). So ist die Stadtführung sehr kurzweilig und interessant.

Die Einlagen sind teilweise ein Überbleibsel oder besser gesagt sie haben sich daraus entwickelt –

Bürgerspiel

etwa alle 10 Jahre führen die Wasserburger das Bürgerspiel auf. Es ist eine mittelalterliche Geschichte aus Wasserburg, mit allen wichtigen Persönlichkeiten. Ein tolles und schönes Spektakel. Noch nicht so überlaufen, wie an manch anderen Orten, trotzdem mit viel Liebe zum Detail. So wurden extra ein alter Schiffszug hergestellt, der jetzt auch immer noch mal gezeigt wird. Es ist schon eine Schau, wenn die Pferde die Schiffe gegen die doch recht mächtige Strömung des Inns ziehen…..

weiter Stadtführungen

auch andere Stadtführungen kann ich nur empfehlen. Sei es eine normale, oder durch den Bierkeller oder wenn man viel Glück hat, der Besuch des Stadtturms und den Turm von der Jakobskirche. Bei beiden war ich glücklicherweise schon mal oben und es war ein wirkliches Erlebnis. Gerade der Turm der Frauenkirche, oder besser gesagt der Stadtturm ist sehr interessant. Erstens wie oben geschrieben schon sehr alt, und auch baulich eine faszinierende Sache. So ist zum Beispiel das Dach nicht fest verbunden und bei einem Brand wurde er mal mit Milch gelöscht. Fragt bitte aber nicht warum – das ist leider nicht bekannt. Aber wie das wohl gestunken hat.

Auch die Jakobskirche dürfte jeden Statiker in Verzückung setzen. Denn eigentlich hätte sie schon längst wie ein Kartenhaus zusammenstürzen müssen. Das Dach wäre viel zu schwer…. Und und und.

Lektüre

Es gibt ein wunderbares Buch über die mittelalterliche Stadt Wasserburg. Es ist eigentlich ein Kinderbuch aber ich muss sagen, dass es einen genialen Einstieg in die Geschichte von Wasserburg bietet und auch bereits viele Dinge zeigt, die man auf eigene Faust erkunden kann. Aber auch so Besonderheiten, wie die Schmetterlingsdächer werden darin anschaulich erklärt.

Komm mit – Der Inn erzählt  Eine Zeitreise durch die mittelalterliche Stadt Wasserburg. 

Leider ist es momentan in Amazon nicht verfügbar, doch hier in Wasserburg bekommt man es in jedem Buchhandel, in der Wasserburger Kaffeerösterei und natürlich im Tourismusbüro.

Wer möchte, dem kann ich das Buch auch bereits vorab besorgen, meldet Euch dann einfach kurz bei mir unter mella @ trampelpfade.com (Leerzeichen entfernen)

Ich kann es wirklich nur empfehlen!

Auflistung wichtiger Daten von Wasserburg


4 Kommentare

  • Iris

    Hach, schön, Mittelalter! Das fehlt ja hier bei uns total. Mir fällt da nur die Zitadelle Spandau ein, und ich weiß nicht mal genau, ob sie aus der Zeit ist. Jetzt musste ich direkt mal zwei Begriffe nachschlagen: Schäffler (scheint das zu sein, was ich als Böttcher kenne, also Fassmacher) und Schmetterlingsdach (wird bei Wikipedia als typisch für das 2o. Jh. genannt). Kannst mal sehen, wie modern eure alte Stadt war und ist!

    • Mella

      Ja, Schäffler sind die Fassmacher. Aber denk Dir nichts dabei, der neue Geschichtsleherer vom Großen hatte auch keine Peilung, was und wer das ist. Soll aber den Kids nun in der 7. Klasse das Mittelalter näher bringen. Der wird noch seine Überraschung erleben.
      Schmetterlingsdach ist schon uralt. Leider weiß ich keine genaue Daten, doch irgendein Herzog/König etc. hat damals die Innbauweise beschlossen, als eben ein Stadtbrand gewütet hat. Die Dächer haben nun nicht die Form wie ein A sondern wie ein V. In der Senke des V ist die Mitte des Hauses und auch der Kamin. Wenn nun ein Feuer ausbrach, musste das Feuer erst mal nach oben klettern und konnte nicht gemütlich die Funken nach unten zum nächsten Haus versprühen.
      Wenn Du dann kommst, kannst Du von der Burg nach unten schauen und dir die Dachkonstruktionen genauer betrachten – Geschichtswissen live und in Farbe 🙂

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