Abenteuerlust und Freiraum

Unser Psychotherapeut vom Kleinen hat uns geraten ihn viele Abenteuer erleben zu lassen. Dies würde das Selbstbewustsein und noch viel mehr fördern und und und.

Ich mache mir ja schon länger Gedanken über die Erziehung und den Freiraum. Speziell eigentlich im Vergleich zu meiner Kindheit. Was wir als Kinder alles durften – wie auf dem Anhänger beim Traktor mitfahren – ohne Kindersitz, Gurt oder Festhaltemöglichkeit und natürlich war der Anhänger voll beladen. Bei mir mit Gras bei meinem Mann hauptsächlich mit Getreide. Und wenn dann der Kipper geleert wurde, dann hingen wir kichernd an der oberen Stange und haben uns hängen lassen.

Solche kleinen Abenteuer sind heute strengstens verboten. Viele sind entsetzt, wenn man auch nur den Gedanken hat, dass es doch eine schöne Sache sei. Wo ist da die Sicherheit?????

Die ist natürlich nicht da, doch wir haben so sehr einfach gelernt, wenn du dich nicht festhälst, es macht kein anderer für dich und es könnte sehr schmerzhaft werden. Also haben wir uns alle festgehalten und  Unfälle waren sehr selten.

Wenn ich dann noch in mein Bücherregal schaue und dort die ganzen Abenteuerbücher sehe, bei denen Menschen, auch sehr junge Menschen, richtige Abenteuer erleben. Wie etwa um die Welt segeln, dann haben einige dieser Menschen etwas gemeinsam. Sie durften bereits als Kinder viel Freiheit genießen und die Eltern haben gelernt früh den Kindern zu Vertrauen und sie auch los zu lassen.

Dies ist in der heutigen Zeit sehr schwierig. So gilt man gleich als Rabenmutter wenn man nicht immer weiß, wo das Kind genau ist.  Besonders bei den auffälligen Kindern, die unter „besonderer Beobachtung“ stehen seitens der Lehrer, teilweise vom Jugendamt und somit verstärkt auch von den Eltern, ist jedes bißchen Freiheit stark erkämpft.

Dies war früher anders. Damals war es bei uns ein „Saukrippe“ (verzogener Bengel, Lausejunge) und die Älteren haben zwar über das Kind geschimpft, aber insgeheim war jeder froh, dass dieses Kind sich so ausleben kann.

Was passiert aber bei fehlenden Abenteuern?

Hier gehe ich mittlerweile so weit, dass ich folgendes behaupte:

ADHS hat es bereits früher schon gegeben, doch die Kinder waren nicht so auffällig, da sie sich in ihrer Freizeit ausleben konnten.

Ja, sie durften Abenteuer erleben, waren nich den gesellschaftlichen Zwängen und Verboten unterlegen, die heute extrem in die Familien eingreifen. Sie durften noch alleine stundenlang im Wald verschwinden und Niemand wusste wo sie genau waren. Sie durften noch auf landwirtschaftlichen Maschinen mitfahren – heute wird versucht ein Kindersitz im Traktor unterzubringen, wenn überhaupt noch.

Ich glaube ernsthaft, dass dies auch ein wichter, völlig unterschätzter Punkt ist, warum in der heutigen Zeit immer mehr Kinder in der ADHS-Schublade landen. Früher gab es die Krankheit auch, aber es wurde nicht aus jeder Mücke ein Elefant gemacht und die Eltern und Kinder durften loslassen.

7 thoughts on “Abenteuerlust und Freiraum

  1. Na ja, sagen wir so: es ist nicht zu selten, dass ich in der Zeitung lese, dass wieder ein Kind vom Traktor gefallen und überfahren wurde… Jetzt bin ich nicht auf dem Bauernhof aufgewachsen, aber das Risiko wäre mir persönlich zu groß.

    Ich erlebe übrigens bei den „Free Range Kids“ (um den Ausdruck mal aufzugreifen), dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob ein Elternhaus dahinter steht oder nicht. Die Kinder, die sich selbst überlassen werden, sind zwar tougher und schlagen sich durch — aber komplett auf Kosten ihres sonstigen Sozialverhaltens und auch der schulischen Leistungen. Da scheint recht viel schon vorprogrammiert, und das läuft irgendwie nicht auf Weltumsegelung und Himalayabesteigung heraus…

    Mit der ADHS-Thematik kenne ich mich nicht so aus — aber ich erinnere mich, dass in der Schule einige Kinder waren, die — obwohl wir uns nachmittags austoben konnten — Schwierigkeiten hatten und schnell in die Rolle des Klassenclowns oder so gerutscht sind. Aus heutiger Sicht wäre gut vorstellbar, dass sie auch ADS hatten.

    So long,
    Corinna

  2. Ich meine ja auch nicht dass die Kinder sich komplett selbst überlassen werden, doch hier fehlt einiges an einer „Abenteuergang“. Vielleicht siehst Du das ganze extremer als ich, da ich bei Deinem Blog bereits lesen konnte, dass Deine Kinder relativ viel Freiheit genießen. Gerade Mo. Ich würde mir hier viel mehr in der Richtung auch für mein Kinder wünschen, denn dies fehlt hier leider völlig.
    Natürlich ist es nie gut von einem Extrem ins Andere zu fallen.
    Damals hatten Eure Klassenclowns aber noch nicht so die Probleme, dass aus der Mücke ein Elefant gemacht wird, da wrude der Clown akzeptiert.

  3. Nur leider sind die Klassenclowns auch einfach nur in einer Schublade gelandet. Wer weiß, was für Talente da verloren gegangen sind und was man da noch alles hätte abfangen können.

    Gehen Deine Kinder nicht so gerne raus, oder habt ihr die Möglichkeit nicht so?

    Wir haben viel Glück, dass alle Kinder in der Siedlung auch viel draußen sind und es nicht so weit zum Bach ist… Die meisten von Mos Freunden sind älter als er und recht verantwortungsbewusst, da mache ich mir keine Sorgen, wenn er mit ihnen unterwegs ist. (Außer es sind Streichhölzer im Spiel…).

    Ich bin sehr gespannt, was andere, die sich mit der ADS Thematik besser auskennen, zu Deiner Theorie sagen.

    So long,
    Corinna

  4. Doch meine Kids gehen schon gerne raus – aber eben nicht auf Abenteuersuche obwohl die Möglichkeit von der Räumlichkeit schon da wäre.
    Bei uns fehlen noch passende Kinder in der näheren Umgebung.
    Wenn meine draußen sind, dann beim Fussball, Gogo, Spielplatz, Radfahren, Skaten Hundegassi.
    Meist also eher geregelte Spiele – ohne Abenteuer :-(

  5. hm nur so ein Gedanke: muss denn jedes Kind auf Abendteuer aus sein? – Sicher gibt es auch Kinder, die nicht auf Abendteuer aus sind.Wir Erwachsenen sind ja auch nicht alles Segler und Abendteurer geworden (und bestimmt auch nicht immer Unglücklich damit ))

    Was aber stimmt an Deiner Grundaussage:
    jedes Kind sollte die Freiheit haben sein „persönliches“ Abendteuer zu erleben.Für den einen mag herumstrolchen im Wald dazu gehören, für ein anderes Kind ist eben ruhig im Zimmer zu sitzen und zu lesen oder mit Barbie, Playmobil und Co. zu spielen ein Abendteuer. Oder einfach selber Geschichten zu erfinden, träumen und diese dann nach zu spielen. Manch einer erlebt auch gerne virtuelle Abendteuer auf seinem Nintendo, Gamboy und wie die Dinger alle heißen.

    Ich glaube es ist eher die Ausgewogenheit, auf die Eltern achten „sollten“(darf ich das so schreiben?)- Freiraum, Pflicht und Spaß und Abendteuer.
    ADHS-Kinder tun sich da vielleicht schwerer eine gewisse Wertigkeit zu finden. Aber mit einer guten „Anleitung“ klappt das schon. – Was mich noch interessieren würde: bezieht sich das „Abendteuer erleben“ nur im Bereich mit anderen Kindern oder dürfen erwachsene „Kinder“ sich auch was überlegen und mit dem Kind machen?

  6. Hey Freundin A.
    mir geht es hauptsächlich um das Abenteuer. Ich gehöre zu den aktiven Menschen, deswegen habe ich wohl die geträumten Abenteuer übersehen, doch die gehören natürlich auch dazu.

    Und die Abenteuer zusammen mit Erwachsene können eine andere Dimension annehmen als nur Kinder mit Kinder, deshalb sind sie eine dringende Ergänzung! Und ja sie sollten und müssen sein.
    Dachte das wäre klar
    Mella

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.