Ein bißchen mehr Toleranz

Immer wieder habe ich Begegnungen, bei der ich mich frage:Was soll das? Was ist so schlimm daran?“

Gemeint ist zum Beispiel, daß unser Kleiner in der Schule einen ergonomisch geformten Bleistift benutzt (klingt schön geschwollen, oder?). Doch die Lehrerin will ihm diesen Bleistift verbieten, da er der einzige ist der ihn benutzen will.

Warum aber? Es gibt doch keinen Grund dafür. Er stört damit niemanden oder beschädigt damit was. Auch sonst kann ich keinen wirklichen Grund dafür sehen. Im Gegenteil, dieser Stift hilft ihm halbwegs leserlich zu schreiben.

Womit wir beim zweiten Thema sind. Legastheniker machen sowieso schon genug Fehler. Müssen dann schlampig geschriebene, aber richtige Wörter trotzdem angestrichen werden? Was ist so schlimm daran, wenn die Schleife vom g nicht unter die Linie reicht. Es ist eindeutig ein g. Nur etwas kleiner geschrieben und somit überhalb der Linie. Ja, die Schleife vom g hat normalerweise unter der Linie zu enden. Aber kann man nicht trotzdem ein wenig Toleranz üben? Muss in einem Aufsatz neben den ganzen Rechtschreibfehlern noch zusätzlich die schlampige Schrift angekreidet werden? Ich finde so lange die Wörter leserlich sind und man erkennen kann, daß sich das Kind bemüht hat, muss man doch nicht weiter meckern. Wichtiger ist doch, daß er sich um richtige Rechtschreibung bemüht hat.  Oder muss beim Nachteilsausgleich alles Rot aussehen? Sonst sieht man ja nicht, daß dies ein Legastheniker geschreiben hat. – Ironie aus.

Auch habe ich ähnliche Intolleranz mittlerweile bei Blogs oder noch schlimmer in Foren feststellen müssen. Keiner liest gerne Texte, die vor Fehlern strotzen. Aber nicht jedem fällt die Rechtschreibung leicht.

Oh ja, es gibt ja die tolle Rechtschreibkorrektur. In Foren mag das ja stimmen, doch habe ich bei Blogkommentaren noch keine Rechtschreibfunktion gefunden. Und wenn, was ist jetzt an dem Wort genau falsch?????

Nicht jeder weiß, das in Weihnachten das h nach dem ei rein muss. Toll, jetzt streicht er mir das Wort an und jetzt? Wie soll ein Legastheniker dann verfahren. Einen Duden holen und nachschlagen?

Ich glaube, daß dann eher die nicht mehr kommentiert wird oder sich diejenigen mit Rechtschreibproblemen aus den Foren und Blogs zurückziehen. Dies ist sehr schade, denn gerade diese Menschen sind oft besonders intelligent und haben bestimmt auch interessantes und wichtiges zum Mitteilen. Sie werden kaum oder nur sehr selten eigene Blogs führen (Legastheniker hassen schreiben – warum wohl?) und schon deshalb ist es für mich umso wichtiger, daß diejenigen nicht aus unserer Gemeinschaft ausgeschlossen werden, auch wenn sie sich „nur“ in Komentaren oder in Forenbeiträgen beteiligen.

Zudem darf man nicht vergessen, daß ich hier nicht nur Legastheniker anspreche, sondern auch diejenigen, bei denen Deutsch nicht die Muttersprache ist. Wenn ich hier so manche Forenkommentare oder Beiträge über die mangelnde Rechtschreibung lese, traue ich mich noch viel weniger in englischsprachige Foren rein, allein schon aus Angst dort genauso angemotzt zu werden.

Es ist für mich auch kein Problem mal schnell in Kommentaren die Rechtschreibung zu korrigieren. Das mag hier mit den noch relativ wenigen Komentaren auch noch gut gehen. Ansonsten mal eine Bitte an alle Plugin-Entwickler:

Rechtschreibfunktion bei Kommentaren mit möglichst automatischer Verbesserung erbeten.

-für alle, die mangelnde Rechtschreibung stört.

Mittlerweile bin ich aber auch ganz gut darin die kreative Rechtschreibung meine Sohnes zu lesen. Manchmal, wenn die Lehrerin den Kommentar abgibt „das kann ich nicht lesen“ bin ich versucht darunter zu schreiben:

Sie haben nur nicht genug Fantasie dafür“

Vielleicht ist dies ja aber auch alles nur eine Einstellungssache. Wie tolerant und aufgeschlossen gegenüber man anderen ist. Es ist halt auch Schade, daß manche der Lehrer sich auch nicht auf die neue Generation und Elterngeneration einstellen will.:

Als ich ein Kind war, war es normal und üblich, daß es keine Legasthenie gab, der war halt dumm und mein Mann als Linkshänder wurde noch auf die rechte Hand umgeschult. Die damals jungen Lehrer haben zwar das Umschulen der Linkshänder aufgegeben, ihre Einstellung zur Legasthenie die Jahre über nicht geändert.

Zum Glück haben sich die Eltern geändert und setzen sich heute mehr für die Rechte der Kinder ein und schreiben auch mal einen Blogbeitrag über mehr Toleranz bei denen, die sich vielleicht etwas schwerer tun.

Ich kann keine Plugins programmieren, aber ich kann für mehr Gerechtigkeit kämpfen und mal schnell ein paar Rechtschreibfehler aus den paar Kommentaren hier verbessern.

One thought on “Ein bißchen mehr Toleranz

  1. Ich gestehe: Zwar habe ich schon früher so gut wie nie offen über schlechte Rechtschreibung in Foren, Blogs oder im Real Life gelästert – wie auch, mein Mann gehört zu den schreiboriginellen umgeschulten Linkshändern, meine Schwiegermutter fällt unter „Gengeberin“ , aber erst seit ich selbst damit kämpfe, einen hochintelligenten Hibbel mit gestörtem Verhältnis zu Buchstaben durch die Schule zu schleusen, kann ich das Ausmass einer Lese-Rechtschreibschwäche wirklich erkennen. Vorher wußte ich das alles nur theoretisch, aber es blieb ein Rest des Gefühls von „wie kann man sich nur so anstellen“.

    Lehrkräfte allerdings sollten besser aufgeklärt sein, es ist immer wieder ein Trauerspiel, wie man mit nicht normgerechten Kindern umgeht.

    Toleranz und Schule schließen sich sowieso aus. Die Lehrkraft hat die Macht – die Macht, lila Hefte mit Karos in Größe soundso, Rand bitte links und rechts, doppelt dick und bitte bis morgen, jederzeit einzufordern. Die Macht darüber, ob ein Kind nun eine ergonomische Schreibhilfe benutzen darf oder nicht. Die Macht darüber, wie lange ein Kind die Freude am Lernen behält. Die Macht über die Nachmittage (via Hausaufgabenmenge), die Macht über die Schulferien (sehr beliebt bei uns: Hausaufgaben über die Ferien) und somit sehr viel Macht über Familien. Und so weiter.

    Wir Eltern haben funktionierende Kinder zu liefern, egal wie.

    Was passiert mit den Kindern, deren Eltern nicht kämpfen können ? Die bleiben „dumm“, verzweifeln an sich und enden heutzutage an Hauptschulen, die nur noch Resteschulen sind. Was für eine Vergeudung !

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